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ſtellt, die jener bei einem großen Theil des Publikums bedeutenden Eintrag thun muß. Wir halten die Zeichnung Vale⸗ riens faſt für noch gelungener als die Margareths.— Die im erſten Theil eingelegte Künſtlergeſchichte:„der ſtille Student“— iſt eine Perle von reinſtem Waſſer, ein kleines Meiſterſtück.
Eine Sammlung ſolcher kleinen Ge⸗ ſchichten gibt uns dieſelbe Verfaſſerin in dem Buch: Aus der Künſtlerwelt. Leipzig. Barth. 1858. Die zehn klei⸗ nen Stücke ſind nicht alle von gleichem Werth, aber ein mißrathenes iſt nicht dazwiſchen, im Gegentheil mehr als eins, das wir in ſeiner Art vollendet, ſchön und lieblich, innig und ergreifend nen nen können. Welchem wir den Preis zugeſtehn ſo llen, wiſſen wir nicht.„Die fremde Schweſter,“„Treue Liebe,“„Ma donna mit dem kranken Kinde“ und noch andere haben uns gleich ſehr angezogen. — Das Buch iſt mit trefflichen Holz⸗ ſchnitten illuſtrirt und überhaupt in einer Ausſtattung erſchienen, die dem Verleger die höchſte Ehre macht.
Moritz Hartmann, Erzählun⸗ gen eines Unſtäten. 2 Bde. Berlin. Franz Duncker. 1858. Das Buch bedarf eigentlich kaum einer Beſprechung und Empfehlung. Moritz Hartmann hat längſt ſeinen feſten Rang in unſerer Lit⸗ teratur und ſeine ebenſo feſte Stelle in unſerer Liebe, und dies neue Buch ſichert ihm den Rang und die Liebe nur aufs neue und immer feſter. Als wir das Buch vor uns ſahen, riefen wir dem Verfaſſer ein herzliches„Grüß Gott!“ entgegen, und nun, da wir's geleſen und wieder leſen, reichen wir ihm die Hand hinüber und drücken die ſeinige dankbar. Es iſt ein treffliches, ſchönes, liebes Buch, das wir unſerm Publikum gar nicht
warm genug empfehlen können.— Aber wir legen es auch einer guten Anzahl unſerer deutſchen Autoren zum aufmerk⸗ ſamſten Studium ans Herz. Sie kön⸗ nen manches daraus lernen. Erſtens mit wie unendlich einfachen Mitteln man das Höchſte und Beſte erreichen kann— man ſehe z. B. gleich die beiden erſten Stücke des erſten Bandes!— und zwei⸗ tens wie man Deutſch ſchreiben kann und muß, wenn man ſeiner Sprache Ehre machen will.— Auf Einzelnes gehen⸗ wir nicht ein; wir würden das Geſagte faſt bei jedem Stück nur wiederholen müſſen.
Ein nicht minder treffliches Buch iſt: Alfred Hartmann, Meiſter Putſch und ſeine Geſellen. 2 Bde.
Solothurn. Jent und Gaßmann. 1858. Wir finden hier den Autor der
Kiltabend⸗Geſchichten unſeres Wiſſens zum erſtenmal auf dem Felde des Ro⸗ mans. Man muß es aus Erfahrung wiſſen, wie ſchwer der Uebergang von der Dichtung kleiner Geſchichten zur Ab⸗ faſſung eines größern Stücks— eines Romans, dem Autor meiſtens fällt, um das vorliegende Buch noch mehr zu wür⸗ digen und ſeine Trefflichkeit noch leb⸗ hafter anzuerkennen. ſolothurner Schießen im Jahre 1840 an führt der Verfaſſer die Stürme, welche der poli⸗
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tiſchen Regeneration der Schweiz voran gingen, bis zum Jahre 1848 an uns vorüber. Sein Held iſt Friz Waldmann, der ausgetauſchte Sohn des Junkers von Matſtetten, Pflegeſohn des Schloßbauern, Advokat in Bern, Adjutant des Ober⸗ kommandanten bei dem Freiſchaarenzuge gegen Luzern und im Sonderbundskriege, eine Perſönlichkeit, die nicht beſſer erfun⸗ den, nicht geſchickter benützt, nicht treff⸗ licher und feſter durchgeführt ſein kann


