Für den Friedhof der evan⸗ geliſchen Gemeinde in Gratz in Steiermark.— Braunſchweig, Wien Gratz, Vieweg, Manz, Aug. Heſſe. 1857. Auf Holteis Betreiben haben 126 Gelehrte, Dichter und Schriftſteller ihre Beiträge geliefert, welche in dieſem Bande zum angegebenen edlen Zweck vereinigt ſind. Man findet ſehr gute und liebe Namen darin mit gar werthvollen Bei trägen; man findet unendlich viele Un⸗ bekannte, theils mit unbedeutenden, theils aber auch mit gar hübſchen Gaben. Das iſt wie ſtets bei ſolchen Sammlungen. Im Ganzen können wir aber von dem Buch ſagen, daß wir es unſerm Publi kum beſtens empfehlen, ſelbſt wenn nicht der gute Zweck für den Wunſch ſpräche, daſſelbe ſo weit wie möglich verbreitet zu ſehen.
Elpis Melena, Memoiren eines ſpaniſchen Piaſters. 2 Bde. Braunſchweig. Vieweg. 1857.— Der unglückliche ſpaniſche Piaſter hat wirk lich ſo viel erlebt, daß man ihm von Herzen ſeine Ruhe im Kloſter am Aven tin gönnen kann. Weßhalb hat er ſie ſich ſelbſt muthwillig durch die Abfaſſung dieſer Memoiren geſtört? Man ſieht an dem Buche ſehr deutlich, daß zur Ab faſſung eines ſolchen Werks mehr gehört als ein Zuſammenwürfeln von allen mög⸗ lichen„grauslichen“ Begebenheiten und Phantaſieen, und überhaupt mehr als der Piaſter, nach dieſen Memoiren zu urtheilen, leiſten kann. Zu loben wüßten wir an dem Buche gar nichts.
Es freut uns von Herzen, daß wir demnächſt ein anderes Buch deſſelben Verlags anzuzeigen haben, welches im Gegenſatz zum vorigen dem Tadel keine einzige Seite darbietet. Das iſt: J. Corvinus, Ein Frühling. Vie⸗
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weg. 1857. Wir begegnen dem Ver⸗ faſſer, den wir vor einem Jahre in ſei⸗ ner„Chronik der Sperlingsgaſſe“ kennen lernten und lieb gewannen, mit großer Freude wieder. Wir wiſſen dem damals Geſagten nichts hinzuzuſetzen,— das Buch ſteht ſeinem Vorgänger würdig zur Seite, ja übertrifft denſelben für alle diejenigen, welche in einer Geſchichte nicht allein eine Darſtellung des innerlichſten Lebens, ſondern auch Facta, Ereigniſſe, mit einem Wort: die äußere Hand⸗ lung wollen. An ſolcher Handlung fehlt es dieſem Buche nicht; es iſt viel, wild und tief, heiter und luſtig bewegtes Le⸗ ben darin, und eine Menge Menſchen treiben ſich durch und gegen einander. Aber was wir ſchon damals ſagten: die Menſchen leben— beſtätigt ſich auch hier im vollſten Maße; ſie leben alle, jeder in ſeiner Weiſe, ſeiner Individua⸗ lität, und daher werden uns ihrer hier ebenſowenig zu viel, wie im wirklichen Leben. Wir möchten nicht einen von ihnen entbehren, vom Papa Oſtermeier und Clärchen Aldeck herab bis zu der kleinen Ruth oder einer der plaudernden Nachbarinnen.— Es ſind Stellen in dem Buch von vollendeter Schönheit, von gewaltiger, wunderbarer Wirkung. Der Verfaſſer beſitzt alles, woraus ein Humoriſt vom erſten Range werden kann. Möge er ſo fortſtreben! Eliſe Polko, Sabbathfeier. 2 Bde. Leipzig. Schlicke. 1858. Ein treffliches, inniges, warmes und wahres Buch, muſterhaft angelegt, ſorgfältig durchgearbeitet, ſo wie wir unſerer Litteratur viele wünſchten. Auszuſetzen haben wir an dem Buche nur das Eine, daß die Verfaſſerin der eigentlichen Hel⸗ din, Margareth, in ihrer Freundin Va⸗ lerie eine Nebenbuhlerin an die Seite


