Jahrgang 
2 (1858)
Einzelbild herunterladen

IV

liebenswürdigen, kräftigen und geſunden Menſchen und ſeinem Weſen unſere vollſte Anerkennung gewähren, wir ſehn auch an dieſem Buche wieder, welch ein kaum meßbarer Zwiſchenraum uns von dem Damals, den Schlußtagen der alten Ro⸗ mantik, trennt. So erregt das Buch denn auch als originelle und anmuthige Reliquie jener verſunkenen Litteratur⸗ epoche ein volles Intereſſe. Denn an⸗ muthig iſt es und bedeutender als man ches, was damals zu Tage trat und für hoch vortrefflich befunden wurde. Der Verfaſſer ſtand zwar in ſeiner Zeit, war aber ſtets zu geſund und klar, um ſich nicht von vielen Verkehrtheiten und Ge⸗ ſchmackloſigkeiten frei zu halten, denen die Litteratur und ihre Freunde damals anheimgefallen waren.

H. Lorm. Erzählungen des Heimgekehrten. Prag. Bell mann. 1858. Kleine Erzählungen, Anekdoten, Plaudereien, Reiſeerlebniſſe der leichteſten Art, wie man ſie im Feuil leton, in einem Journale ſchon einmal liest und dann auf die Seite legt. Was wir früher von einem andern Buche des Verfaſſers ſagten: ſeine Erzählungen ent hielten meiſtens treffliche Einzelheiten, hübſche Partieen, ſeien aber dennoch un fertig, könnten wir ungefähr auch von dieſen Stücken ſagen. Bearbeitet ſind ſie nicht, ſondern eben nur geſchrie⸗ ben. Das Buch zeichnet ſich dadurch

aus, daß die Seitenzahlen am untern Rande der Blätter ſtehn, etwas, deſſen Zweck und Vorzüge wir nicht einſehen.

Fr. Friedrich, Des Zweiflers Umkehr. 2 Bde. Leipz. Wiedemann. 1858. Der Sohn eines Pfarrers hat ſich anſtatt der Theologie dem Studium der Naturwiſſenſchaften ergeben und iſt

Gottesleugner geworden. Von ſeinem

Vater mit Härte verſtoßen, erträgt er kräftig eine Reihe von allen möglichen Unglücksfällen und Schickſalsſchlägen; der Tod ſeines Kindes und ſeiner Frau ſtürzt ihn in Verzweiflung, und die Hoff⸗ nung, ſeine Lieben jenſeits wiederzuſehn, führt ihn zum Gottesglauben und in die Arme des Vaters zurück. Das Buch iſt ſehr brav geſchrieben und ent hält manches Treffliche. Es ſind Cha rakterzeichnungen drin, Zweiflers ſelbſt und ſeiner Gattin, zu mal aber des kleinen Arztes überaus angeſprochen haben. Und den noch das Buch iſt grauſam, es entbehrt im menſchlichen Sinne der Ver⸗ ſöhnung. Nachdem Georgs Glück zer ſtört und ſein Leben vernichtet iſt, wen det er ſich zwar zu Gott zurück und ſtürzt ans Herz ſeines Vaters aber von den

wie die des

die uns

Folgen dieſer Umkehr, von ihrer Wir kung auf das Geſchick und das Herz des Aermſten erfahren wir nichts mehr, und ſo ſteht Gott in dem Buche eigent lich nur als der rächende und ſtrafende Gott des alten Teſtaments da.

Paul Stein, Aus dem ſchwä biſchen Volksleben. Leipzig. Her⸗ big. 1857. Das Buch enthält drei Albbe

wohner, in der Weiſe, wie ſie die Freunde

Geſchichten aus dem Leben der

unſerer Hausblätter von dem Verfaſſer ſchon mehrmals und ſicher ſtets mit Freude geleſen haben. Die Geſchichten ſind naturwahr und man möchte ſa gen, friſch und kraftvoll, wie die Men ſchen, welche ſie uns vorführen. Leicht und hübſch geſchrieben, wiſſen ſie ſtets unſer Intereſſe zu erregen und zu feſ ſeln, und hinterlaſſen, ſelbſt bei einem trüben Ausgang, eine wohlthätige Befrie digung. Wir empfehlen das Buch unſerm Publikum mit wahrem Vergnügen.