— ein Menſch, der leibt und lebt. Aber auch die andern Perſonen ſtehn ihm nicht
nach; jede erhält ihr gemeſſenes Theil und lebt vor unſern Augen.— Neben
dieſen ausgezeichneten Charakter⸗Ent⸗ wickelungen enthält das Buch ebenſo meiſterhafte Schilderungen und Dar⸗ ſtellungen. Wir nennen z. B. nur den Freiſchaarenzug, ohne ihn jedoch beſon⸗ ders hervorheben zu wollen; denn viele andere Partieen des Buchs ſtehn dieſen Kapiteln in nichts nach. Das Buch iſt einfach, bedeutend, anziehend und—
Wir kennen
neu, wie die Natur ſelbſt. auf dieſem Felde keinen beſſern Roman in unſerer neuern Litteratur.
K. v. Holtei, Die Vagabun den. 3 Bde. 2te Auflage. E. Tre wendt. 1857.— Das Buch hat längſt ſeine Würdigung gefunden und iſt dem Publikum mit Recht lieb geworden, wie auch dieſe zweite Auflage beweist. Die⸗ ſelbe iſt hübſch ausgeſtattet und wird hoffentlich zur immer weitern Verbrei tung des liebenswürdigen Buchs das ihrige beitragen.
Aus der Penſion. Frei nach dem Engliſchen, von Sophie Verena. Berlin. Allgem. Deut. Verlags⸗ Anſtalt. 1858. Das Original ſoll in England viel Beifall gefunden haben, und mag ihn auch verdienen. Das Buch enthält ſehr hübſche Züge und allerliebſte Partieen, und das Einzige, was wir daran auszuſetzen haben, iſt, daß der Verfaſſer hie und da plötzlich aus der Rolle fällt und, ſtatt der kleinen Pen⸗ ſionärin, ſelber zu ſchreiben, zu reflektiren beginnt. Gegen die freien Bearbei tungen haben wir uns ſchon ſonſt aus⸗ geſprochen und müſſen es auch hier wie⸗ der thun. Weßhalb ſchafft man nicht etwas Eigenes oder überſetzt das Fremde,
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das uns dazu reizt?— Wir kennen das Original nicht und können daher die Veränderungen nicht beurtheilen. Aber wir ſehn nur die Namen verdeutſcht, während ſonſt die fremden Verhältiriſſe und Beſonderheiten mehr oder minder geblieben ſind. Das iſt unmöglich das Richtige.
O. V. Richter, Wallenſtein. Wunſiedel. Baumannſche Buchhand⸗ lung. 1858.— Eine kurze, gut geſchriebene Lebensbeſchreibung des großen Feldherrn, mit beſonderer Berückſichtigung ſeiner letzten Lebenstage und des Mordabends in Eger. Beigegeben ſind dem Bänd⸗ chen drei Illuſtrationen: Wallenſteins Tod, das Pachelbel'ſche Haus, in dem er ermordet wurde, das Schloß zu Eger, in dem ſeine Begleiter fielen, und außer⸗ dem noch ein Grundriß des Pachelbel⸗ ſchen Hauſes. Das Büchlein läßt ſich angenehm leſen und wird dem Publi⸗ kum willkommen ſein.
E. Schmidt⸗Weiſſenfels, Vier Jahre Memoiren. Prag. Kober. 1857. Ein Buch, das bunte und ernſte Lebensereigniſſe leicht und keck und mit gutem Humor beſchreibt. Der Verfaſſer flüchtete nach einem Duell aus Heidelberg nach Paris, erlebte dort die Revolutionsjahre, ging im Jahre 1850 zum Ausgange des Krieges nach Holſtein, von dort nach Paris zurück, wo er im Dezember 1851 verhaftet, ſpäter ausgewieſen wurde. Endlich ge langt er dann nach England, wo das Buch ſeinen einigermaßen romanhaften Schluß erhäſt. Es iſt klar, daß der Verfaſſer auf all dieſen Fahrten mancke intereſſante Bekanntſchaft machen, Gle⸗ genheit zu vielen Beobachtungen fiden konnte. Das Buch wird ſeine Leſer ſicher unterhalten.


