Jahrgang 
2 (1858)
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II

rungen: Aus dem Leben eines Thalers; ein Stoff, wie er vor Zeiten Mode war und auch jetzt wieder häufig gewählt wird. Er iſt hier hübſch und anſpre chend benützt. Als Schlußſtück erhalten wir endlich eine italieniſche Novelle von Paul Heyſe: Die Einſamen, ein Stück, das uns große Freude gemacht hat und des beſten Lobes werth iſt. Der wenn auch einfache, doch höchſt intereſ⸗ ſante Stoff iſt auf das ſauberſte und anmuthigſte ausgeführt und in eine Form und Sprache gekleidet, die wir durchaus vollendet und ſchön nennen müſſen. Nach all dieſem bedarf das Buch keiner be⸗ ſondern Empfehlung mehr. Inhalt und Ausſtattung weiſen ihm ſeinen Platz in der Gunſt des Publikums ſelber an. Zwei Heftchen: Die Mähr von einer Nachtigall, und Swinegels Reiſeabenteuer, gedichtet und illu ſtrirt von Guſtav Süs. Vieweg. 1857. ſind zwar für Kinder beſtimmt, müſſen aber auch Erwachſene intereſſiren und erfreuen und eignen ſich gar wohl zu einem Platz auf dem Album⸗Tiſch. Die Dichtungen ſind zwar leicht und eigentlich nur als Erklärung der vor⸗ trefflichen Holzſchnitte da, enthalten aber auch gar ſchöne, komiſche und tiefem Beſonders ſind in

pfundene Stellen. dem Märchen von der todten Nachtigall mehrere Stellen in ihrer Einfachheit er greifend ſchön und hochpoetiſch. Die Ausſtattung iſt, wie man ſie von der Verlagshandlung nur erwarten kann. Als ein gleichfalls gar hübſch aus geſtattetes Buch tritt uns das: Jahr buch für die deutſche Jugend, von F. entgegen. Es iſt der Kaiſerin von Oſter reich gewidmet und macht dieſer Wid⸗

mung Ehre. Die artiſtiſchen Beilagen,

J. Proſchko. Prag. Kober.

durch Gedichte begleitet und erklärt, ſind hübſch erfunden und geſchmackvoll aus geführt. Der übrige Inhalt zerfällt in Proſa und Poeſie; beide Theile bieten für Kinder viel Anziehendes nnd Be lehrendes; z. B. Bilder aus dem heili⸗ gen Lande; die Todesſtunde des Koper⸗ nikus; vom deutſchen Glauben und Aberglauben; endlich eine längere Er zählung: Zu ſpät, in welcher Züge aus dem Leben des Admirals Villeneuve zu einem anſprechenden, hübſch ausge⸗ führten Bilde vereinigt ſind. Wir em pfehlen das Buch beſtens.

Album, Bibliothek deutſcher Originalromane. Kober. 1857. Vom vorigen Jahrgang liegen uns die Bände 1113, 20, 21, 23, 24, ſowie zwei dazu gehörigePrämien vor: das Portrait von Julie Burow und ihre Selbſtbiographie. Band 11 und 12 bringt den Roman: Familie Schal⸗ ler von Adolf Glaſer, der uns nach Mainz, in das Haus des Kaufmanns Schaller verſetzt und uns an einem be wegten Lebensabſchnitt theil nehmen läßt. Die Geſchichte beginnt in den drängen den und treibenden Zeiten vor 1848 und erreicht in den wilden Märztagen dieſes Jahrs ihr Ende. Wir können dem Buche nachrühmen, daß es hübſch angelegt iſt und in der Charakterzeich nung, beſonders des Kaufmanns und ſeiner Gattin, höchſt Anerkennungswer thes leiſtet. Im Ganzen vermiſſen wir daran aber wieder einmal die wirkliche Beherrſchung des Stoffs und ſobald die Erzählung aus den Familienkreiſen und dem deutſchen Leben in andere und fremde Bahnen hinübergeht, iſt man wolle uns den Ausdruck verzeihen! der Teufel los und holt, trotz aller Poeſie und Phantaſie, oder vielleicht ebendes