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Bilder aus dem Leben zur See im Mittelalter.
Im Jahre 1462 wurden einem großen franzöſiſchen Schiffe, genannt St. Peter von Rochelle, da es mit einer Salzladung in den Hafen von Danzig einlief, der große Maſt vom Blitze zerſchmettert. Um das Schiff wieder herſtellen zu laſſen, mußten Eigenthümer und Führer bei Danziger Kauf⸗ leuten bedeutende Summen aufnehmen, als Pfand dafür, da die Zurück⸗ erſtattung auf ſich warten ließ, blieb das Schiff einige Jahre im Hafen liegen und verfiel endlich, nachdem die Gläubiger mit Takelwerk u. a. ſich bezahlt gemacht hatten, der Stadt zum Abbruch. Der Danziger Rath aber erkannte den fehlerloſen Bau des mächtigen Schiffes, legte daſſelbe, faſt nur noch Rumpf, auf die Kielbalken und ſcheute keine Koſten, um es zu einem der beſten Kriegsſchiffe jener Zeiten umbauen zu laſſen.
Das Schiff gehörte in die Gattung der Karavellen oder Krawelen, d. i. der Schiffe, deren Planken nicht wie beim Klinkerbau uber einander faſſen, ſondern mit hoher Kante auf einander ſtehen, und war 150 Fuß lang und 43 Fuß breit. Als„St. Peter von Danzig“ machte das große Krawel im Auguſt 1470, mit 350 Mann Kriegsbeſatzung unter dem Rathsherrn Bernd Paweſt, ſeine erſte Fahrt, und zwar gegen England. Der Rathsherr, nicht ohne Kraft, war doch allzu vorſichtig und ängſtlich, um der Aufgabe gewachſen zu ſein, und hatte eine erſchreckliche Plage mit der zügel⸗ und heilloſen Mannſchaft, den„Ruters“, die aus zuſammen⸗ gelaufenem Geſindel, Landsknechten zur See beſtehend, keinen Sold, ſondern nur Priſengelder und Antheil an der Beute erhielten, alſo vertragsmäßig auf Raub und Plünderung angewieſen waren. Dazu kamen lange widrige Stuͤrme, ſo daß„dat gude Schip“ bald Havarie erlitt und im Hafen von Veere, von fünf Ankern gehalten, den Winter von 1471 auf 72 liegen mußte. Des guten Rathsherrn Briefe von hier an den Rath zu Danzig, die uns alle erhalten ſind, erfuͤllen Klagen über die Schwierigkeit ſeiner Aufgabe, über die Zuͤgelloſigkeit und Untreue der halbnackten, zuſammen⸗ gelaufenen Ruters, die, wenn ſte im Krawel an den reichen Vorräthen von Bohnen und Erbſen, Speck, Häring und gutem Danziger Bier— denn ein ſchlechtes zu trinken, verweigerten ſie unter bedenklichen Drohungen,— ihre Leibeskräfte aufgefriſcht hatten, über Nacht davon liefen, um dem Freund oder dem Feind auf gleiche Weiſe zu dienen.„Wir können kein Ende kriegen mit dieſem Volke,“ ſchreibt er;„ſte dienen den Feinden ſo lieb wie uns. Sie ſprechen, ſte wüßten nichts zu holen, denn große Schläge, dafür wollen ſie Geld haben. Sie wollen Wochengeld haben, und dazu,


