t und tragen
einen runden
Schiffe aus zu zerſchnei⸗
vom Kaſtell
Weiſe ihre die gothiſche
bewegliche
Von Johannes Falke.
ſchiffes Heinrichs VIII., gibt uns ein ſchlagendes Beiſpiel von der ebenſo prachtvollen, wie gefährlichen, den Grundgeſetzen der Natur faſt ſpottenden Entwicklung der mittelalterlichen Schiffsbaukunſt und macht uns klar, daß nach einem ſolchen Höhepunkte ein Umſchwung nothwendig erfolgen mußte. Und wirklich ſehen wir auch mit dem Ende dieſes und im Laufe des 17ten Jahrhunderts das Kaſtell kleiner und kleiner werden und endlich ganz ver⸗ ſchwinden, um jetzt den Rumpf des Schiffes, der bei den Kaſtellſchiffen nur die Baſis bildete, zum Hauptkörper des Ganzen zu machen und ihm die großartige Entwicklung zu geben, welche das heutige Linienſchiff zeigt.— Der Rumpf jenes Königsſchiffes erſcheint bei bedeutender Länge— er trägt vier vollſtändige Maſten,— außerordentlich ſchmal und lauft vorne in einen weit hinausragenden Hundekopf mit erhobenen Vorderfüßen aus. Das Ver⸗ deck, in drei faſt gleiche Theile getrennt, trägt im vorderen Drittheile ein dreiſtockiges, im hinteren ein vierſtockiges, ſich nach oben verjüngendes Kaſtell, welche beide, von feſter und reichverzierter Bauart, aus allen Stockwerken und nach allen Richtungen hin Kanonenmündungen zeigen. Das eine über das Steuerruder, das andere über das Schiffszeichen am Schnabel weit hin⸗ ausgebaut, gleichen ſie befeſtigten Thuürmen von Holz, die ſich nach allen Seiten ſelbſt dann noch vertheidigen können, wenn ſchon das Mitteldeck oder ſelbſt der andere Thurm erobert iſt. Der Raum um den Hauptmaſt, von den Kaſtellen nach zwei Seiten gegen alle Kugeln geſchützt, erſcheint als der vornehmſte Deckraum und iſt am Bordrand nach außen hin reich mit Wap⸗ pen geziert; von hier aus gelangte man leicht in und auf die Kaſtelle wie in die inneren Räume des Rumpfes und zu dem Steuermann, deſſen ſigna⸗ liſirende Diener auf dem Vorderkaſtell nicht fehlen. Außer dieſen Kaſtellen trägt der ſchmale ſchlanke Rumpf vier hochragende Maſten und einen kleine⸗ ren Fockmaſt; drei von jenen haben zwei, die kleineren jeder einen Korb, der aus breiten Bändern gebildet kapitalartig den Maſt umwindet. Takelage und Segelung iſt vollſtändig und reich; goldſtoffige Flüger zieren die Maſt⸗ ſpitzen, Banner an Stangen die Kaſtelle. Im Längenprofil betrachtet macht dies zwiefach gethürmte Bauwerk, in allem zierlich und klar gegliedert, mit Ornament und Farbe reich geſchmückt, mit den Maſten in die leichteſten Spitzen ausklingend, auf dem dunklen Waſſerſpiegel den Eindruck der reichſten und zierlichſten Holzarchitektur und erinnert ſehr an die ſchönen Holzbauten der alten norddeutſchen Städte. Doch bei dem Blick auf die ungenügende ſchmale Baſis kann man ſich der Beängſtigung unmöglich erwehren und


