Jahrgang 
2 (1858)
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472 Bilder aus dem Leben zur See im Mittelalter.

befeſtigt, die Planken mit Ornament im Rundbogenſtil verziert und tragen auf der Spitze des ſäulenartig kurzen und ſtämmigen Maſtes einen runden kaſtellartigen Maſtkorb, von dem herab Bewaffnete Wurfſpeere und andere Geſchoſſe ſchleudern. Das den Maſt haltende Tauwerk iſt an den Seiten zu Strickleitern verbunden, und ein Ritter iſt grade vom eroberten Schiffe aus im Begriff, mit einer breiten Senſe dieſe Taue und Strickleitern zu zerſchnei⸗ den, um Maſt und Maſtkorb zu Fall zu bringen, während vom Kaſtell herab ein Geharniſchter mit langſchneidiger Art auf ihn niederhaut.

Im Laufe des 15ten Jahrhunderts, in der Bluͤthezeit des norddeutſchen Seehandels, entwickelt ſich das Schiff ſchnell zu größerem Umfange und reicherer Beſegelung, und im 16ten ſchon ſehen wir die mittelalterliche Schiffsbaukunſt eine Entwicklung erreichen, die in derſelben Weiſe ihre Grundgeſetze auf eine gefährliche Spitze hinaufſchraubt, wie die gothiſche Baukunſt auf dem Feſtlande. Die Kaſtelle, urſprünglich nur bewegliche Nebenſache, verwachſen immer feſter mit dem Schiffsrumpfe, heben ſich höher und höher bis zu drei und vier Stockwerken thurmartig hinauf und bilden vornehmlich die Träger dieſer Entwicklung. Während das 14te Jahrhun⸗ dert in den Abbildungen die Kaſtelle nur als einen erhöhten Verdecktheil zeigt, gleichſam als erweiterte Schiffsſchnäbel, die in breiter offener Fläche einen erhöhten Kampfraum bieten, ſehen wir mit dem Ende dieſes und dem Anfang des nächſten Jahrhunderts zuerſt auf dem vorderen, ſpäter auch auf dem hinteren Kaſtelle ein eigenes Maſt⸗ und Segelſyſtem ſich entwickeln, das zwar kleiner, doch durchaus ſelbſtändig neben dem Hauptmaſtſyſtem beſteht. Später verſchwindet dieſe Selbſtändigkeit; der vordere Maſt ſetzt da ein, wo das Vorderkaſtell vom Mittelraum ſich trennt und der dritte tritt in daſſelbe Verhältniß zu dem Hinterkaſtell; das Takelwerk verbindet dann die drei Maſten, deren jeder wenigſtens einen Maſtkorb unter der frei und ſchlank aufſchießenden, mit mehrzackigem, langem Flüger geſchmückten Spitze trägt. Von den inneren Deckräumen, deren in den meiſten Fällen zwei zu ſein ſcheinen, iſt der untere, der Kielraum, hauptſächlich zur Bergung der Waa⸗ ren, der obere zur Beherbergung der Mannſchaft, zur Aufbewahrung der Waffen und Munition, ſowie der feineren Waaren beſtimmt; die Buſſola des Steuermanns iſt vom unterſten Stockwerk des Hinterkaſtells umſchloſſen und vom Trompeter auf der Höhe des Vorderkaſtells erhält er, da ſein Geſichtskreis nach allen Seiten begrenzt iſt, die Signale.

Ein Gemälde Holbeins, vom Jahre 1520, eine Abbildung des Königs⸗