Jahrgang 
2 (1858)
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8 Das Fräulein von Roc⸗estroit.

Leide gethan hätte. Alle hatten ſie lieb, allen war es eine Freude, ſie nur zu ſehen, wenn ſie ſo leichtfüßig dahinging, jeden grüßte, der ihr begegnete, jeden Traurigen nach ſeinem Kummer fragte und ſich mit jedem freute, dem es gut ging. Aber hindert das die Leute vor Fremden ſo gut, wie unter einander die albernſten Geſchichten zu erzählen? Wer weiß, welche Idee ſie Euch von dem Fräulein beigebracht haben.Nein, Cathon, ſie deuten eigentlich nur an, daß hier etwas Trauriges oder Entſetzliches vorgegangen iſt, und fügen hinzu, daß niemand als Ihr genau darum Beſcheid weiß.

Ja, ja, ich weiß darum Beſcheid, murmelte die Alte vor ſich hin. Dann ſah ſie mich forſchend an und ſagte endlich:Ich will es Euch erzäh⸗ len, wenn Ihr es hören mögt und mir verſprechen wollt, es den Andern zu erklären, die jetzt vielleicht auf arge Gedanken gekommen ſind. Ich verſprach es, und Cathon begann.

Wenn ich's nur ſo recht zu beſchreiben wüßte, wie das Fräulein war, dann wuͤrdet Ihr Euch ungefähr denken können, wie lieb ich ſie hatte. Jeder, der ſie ſah, war erſtaunt über ihre Schönheit ſie ſah ganz ſo aus, wie ihre Mutter, die Frau Gräfin, deren Bild Ihr vorhin ſo genau be⸗ trachtet habt; aber wenn man eine Weile mit ihr zuſammen war, mußte man das ganz vergeſſen, denn es war etwas in ihr, was beſſer iſt als alle Schönheit. Ich habe viel darüber nachgedacht, aber ſo viel ich mich auch beſonnen habe, ich weiß es nicht anders zu ſagen, als es war etwas von der Sonne in dem Mädchen. Es wurde Einem warm ums Herz in ihrer Nähe, und wie das liebe Sonnenlicht alles heiterer und ſchöner macht, ſo war's, als ob alles beſſer oder angenehmer wuͤrde, ſobald meine Alix damit zu thun hatte.

Ihr dürft übrigens nicht glauben, daß ich zu ſehr von ihr eingenom⸗ men bin. Niemand hat es deutlicher eingeſehen als ich, daß ſie auch nur eine ſuͤndige Kreatur war, wie wir andern Menſchenkinder, und daß ſie ſelbſt an ihrem Unglück ſchuld geweſen iſt. Aber meiner Liebe für das Kind hat das keinen Abbruch gethan; vielleicht iſt ſte mir durch Gram und Sorge nur immer feſter ans Herz gewachſen. Ihr wundert Euch vielleicht, fuhr die Alte nach einer Pauſe fort,daß ich dem Fräulein ſo vertrauliche Namen gebe. Wenn ich allein mit ihr war, habe ich ſie immer meine liebe Alix, oder ‚mein liebes Kind genannt, und ſie ſagte Mütterchen, oder Mutter Cathon zu mir und gab mir alle Zärtlichkeit, die ein gutes Kind für ſeine Mutter zu haben pflegt.

ſein- Jung und Rob aufh er r Vie Ben

Man bis

Fieb üͤber

darg