Von Claire von Glümer. 5
ſie verzweiflungsvollen Tone, wie ich ihn nie zuvor gehört hatte und nie wieder
nd zu höreu wünſche.
uß„Gute Frau, ich bin nicht Alix!“ ſtammelte ich.—„Nicht Alix?“
aſt ſ wiederholte ſie, indem ſie ſich vollends erhob und auf mich zu trat.„Wer X⸗ ſeid Ihr denn?“ fuhr ſie unwillig fort.„Wie kommt Ihr hierher? Was
nd, wollt Ihr hier?“—„Ich habe mich im Park verirrt und bin vor dem
bt⸗ Gewitter hierher geflüchtet.“—„Ja, ja, es ſtuͤrmt gewaltig,“ ſagte ſie,
indem ſie mit unheimlichen Blicken umherſah.„Die Heiligen ſelber erſchrecken davor und wagen nicht in ſolchem Tumult herunter zu ſteigen, darum nd helfen auch alle Bitten nichts!“
Plötzlich ſchien ſie zu bemerken, wie mich das Wetter zugerichtet hatte; ſie faßte meine Hand, zog mich ans Licht und ſprach mitleidig, während ihre Zuͤge einen ſanftern Ausdruck gewannen:„Wie ſeht Ihr denn aus? Wahr⸗ haftig ganz durchnäßt vom Regen, armes Kind! Und Eure Hände ſind kalt wie Eis— Ihr zittert! Kommt, zieht die naſſen Kleider aus, da iſt mein Mantel, nur ſchnell, damit Ihr nicht das Fieber bekommt!“ Dabei fing ſie an mir mit ihrer Schuͤrze das Haar zu trocken, befreite mich von den . naſſen Kleidern, rieb mir Hände und Füße, bis ſie warm wurden, und gab A 44 mir allerlei liebkoſende Namen. Endlich hüllte ſie mich in den Mantel, ſchob einen Seſſel herbei und verſprach für Feuer zu ſorgen.„Denn Ihr müßt ſchon eine Weile bei mir aushalten,“ ſagte ſie,„hört nur, wie der Wind und das Meer um die Wette raſen.“ Mit dieſen Worten ging ſie hinaus, nachdem ſie ein Endchen Wachslicht angezündet hatte, das in einem
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lag. Handleuchter von Vermeil auf dem Kaminſims ſtand.
hon. Mir war zu Muthe, als ob ich träumte— und doch, wenn ich die
ni Hand auf das Tiſchchen neben mir legte, empfand ich die Kälte des Marmors:
fus, ich hörte, wie der Sturm an den Fenſtern rüttelte, im Kamin niederſauste, und fühlte, wie er als eiſiger Zugwind durch die Fugen der Rahmen drang.
jeder So deutlich pflegen die ſinnlichen Wahrnehmungen des Traumlebens nicht
u ſein. Aber wo war ich denn eigentlich? Ich nahm das Licht zur Hand . 9 h nah 5
und beſichtigte den kleinen Raum.— Das Gemach ſchien die ganze Tiefe chüt⸗ 4 des Thürmchens einzunehmen. Es bildete ein Achteck, deſſen Wände mit
Stukkatur bekleidet waren. Breite Akanthusblätter trugen oder beſchatteten lend Liebesgötter und wunderliches Gethier. Blumen, zierliche Schnörkel und örte, Ranken umrahmten den Spitzbogen der Fenſter, ſchlangen ſich an der Decke ab⸗ hinauf und umwanden den Schlußſtein des Gewölbes,— aber das alles chen, 4 1
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