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Von Claire von Glümer. 3
in Strömen niederſchoß, ſo raſch durch das Dickicht trieb. Ich mußte immer wieder an die arme Seele denken, die nach dem Volksglauben in Angſt und Qual an dieſen Ort gebannt war.
Hatte ſie ein Verbrechen begangen, oder war ihr eine jener Unbilden zugefügt, von denen der Aberglaube oder das Gewiſſen des Schuldigen meinen, ſie ließen den Beleidigten im Grabe keine Ruhe, bis das Unrecht geſühnt iſt? Ich hatte, trotz aller Fragen, nichts darüber erfahren.„Nur die alte Cathon,“ ſagten die Fiſcherweiber mit geheimnißvoller Miene,„nur die alte Cathon könnte das genau erklären, wenn ſie wollte. Die Andern, die es mit erlebt haben,“ ſetzten ſie hinzu,„ſind geſtorben oder haben es niemals genau erfahren, oder haben es wieder vergeſſen. Nur die alte Cathon, das arme Weib, vergißt es nicht. Darum ſieht ſte auch immer ſo traurig aus und darum iſt ſie wie menſchenſcheu, wenn ſie nicht gar, wie einige meinensgde Verſtand darüber verloren hat. Sie kommt nur ins Dorf, um zur Meſſe zu gehen oder um ihre ärmlichen Einkäufe zu machen, redet mit keinem, als mit dem Herrn Pfarrer, und verlebt ihre Tage in dem kleinen Thurme an der Schloßterraſſe, ein Ding, das ſo voll Ratten, Fledermäuſen und Eulen ſteckt, daß man ſich wundern muß, wie es eine Chriſtenſeele dazwiſchen aushält.“
Ich hatte die alte Cathon zwei⸗ oder dreimal geſehen, aber die große, vierſchrötige Geſtalt, das von Sonne und Seewind gebräunte Geſicht mit den groben Zügen, der finſtern Miene und den ſtarren grauen Augen, machten auf mich einen ſo düſtern Eindruck, daß ich nie den Muth hatte, ſie anzureden.
Ich kannte auch den Thurm, in dem ſie wohnte. Es iſt ein kleines Kunſtwerk aus der Zeit der Renaiſſance auf einem Unterbau uralter feſter Mauern, die aus unbehauenen Granitblöcken zuſammengefügt ſind, und liegt in jenem Theil des Schloſſes, der noch immer„der innere Hof“ genannt wird, obwohl von den Gebäuden, die ihn ſonſt umgaben, nur noch ein halb verfallener Flügel ſteht, an welchen ſich das elegante Thürmchen anlehnt. Dem Meere zu iſt eine hohe Terreſſe an die Stelle der alten Ringmauer getreten, und auf der andern Seite wird der Hof vom Bosket umſchloſſen. Von Jahr zu Jahr drängen ſich aus demſelben Brombeerſträuche, Hageroſen und Schlehdornbüſche weiter vor und ſind der wuchernden Neſſel, dem Epheu, dem Vogelbeerbaum, dem wilden Thymian und dem zierlichen Heidekraut behülflich, die Schutthaufen zu verbergen, die hier von der
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