Das Fräulein von Roc⸗estroit.
das Orcheſter, und trotz der Unebenheit des Bodens wurden die Contretänze mit ächt franzöſiſcher Grazie auf dem Raſen„gegangen.“
Aber die Violine, der Dudelſack und die Flöte ſtrichen und blieſen ihre Quadrillen mit ſo ſchrillen Mißtönen in die Abendluft hinaus, daß mein deutſches Ohr es nicht lange vertrug. Ich verlor mich aus der Menge und verfolgte einen der Pfade, die ſich von den Hauptalleen ins Bosket hineinziehn— der Lichtſchimmer verlor ſich mehr und mehr, der Lärm des Feſtes verhallte und bald war Einſamkeit und Dunkel rings umher.
Es war eine ſchwuͤle Nacht; Gewitterwolken bedeckten den Himmel, kein Stern flimmerte durch die Zweige, kein Blatt bewegte ſich, nur das ferne Rollen der Brandung war zu hören, das Geſchrei der Nachtvögel und dann und wann ein Raſcheln im dürren Laube. Ich ging immer weiter und gerieth bald in den vernachläßigten Theil des Gartens, den jetzt wohl nur ſelten ein menſchlicher Fuß betritt. Bald ſchlugen mich Zweigt ins Geſicht, bald hingen meine Kleider an dornigem Geſtruͤpp; hier hatten die Schlan⸗ genwindungen einer verwilderten Ariſtolochia den Durchgang verſperrt, dort war ein halbverſchütteter Quell in einen Sumpf verwandelt, noch weiterhin lag ein umgeſturzter Baum quer üͤber den Weg.
Ein Blitz zuckte durch die Nacht. Auf einen Augenblick ſah ich das Laubwerk über und neben mir, Farrenkrautbüſchel, Gräſer, Blumen, von.
bläulichem Lichte erhellt, dann ſank alles in Finſterniß zuruͤck. Und nun krachte der Donner, der Wind ſprang auf und fuhr heulend durch die Wipfel der Bäume. 8
Zugleich drang ein Schrei aus dem Gebüſch— das war eine Men⸗ ſchenſtimme! Ich lauſchte athemlos. Eine Weile war alles ſtill— dann kam wieder ein Blitz, ein Donnerſchlag, und wieder ſchrie es im Gebüſch in noch herzzerreißenderem Tone als das erſtemal. Bald darauf drängte ſich etwas durch die Geſträuche, und endlich war es mir, als ob ich das Geräuſch forteilender Schritte auf feſtem Boden vernähme.
Die Erzählungen der Dorfbewohner fielen mir ein.„Im Park iſt's nicht geheuer,“ ſagten ſie,„da geht zur Nachtzeit die arme Seele des Fräu⸗ leins von Roc⸗estroit umher, ringt die Hände und ſeufzt und ſchluchzt, daß es einen Stein in der Erde erweichen könnte.“
1 Auf der ſonnigen Düne oder am Kamin hatte ich oft über dieſe Ge⸗ ſchichten gelacht, hier aber in Nacht und Einſamkeit beſchlich mich ein un⸗ heimliches Gefühl, und ich weiß nicht, ob mich allein der Regen, der plötzlich
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