Jahrgang 
1 (1858)
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Von Johannes Müller. 475

Augsburger Meiſter Peter Rimpfing begann 1482, im Auftrage ſeines Biſchofs Johann, für die Domkirche einen ſilbernen Altar, der ihn 26 Jahre beſchäftigte und 330 Mark wog. Mit ihm wetteiferte eine Reihe der tüch⸗ tigſten Künſtler, Georg Seld, Chriſtoph Steudig, Konſtantin Müller, Andreas Attemſtett, während in Nürnberg früher Albrecht Dürer d. Ae., dann Wenzel Jamnitzer, Hans Maslitzer, Valentin Maler ſich auszeichneten. Bei einem Nürnberger Künſtler, Arnold Wenk, ließ auch der Herzog Al⸗ brecht von Preußen im Jahre 1529 ein Halsband verfertigen, in welches 8 große und kleine Saphire, 11 Rubinroſen, 38 größere und kleinere Rubinkörner, ein großer Diamant, 29 größere und kleinere Diamanttafel⸗ ſtücke und ſechs Stücke Smaragd eingeſetzt wurden. Derſelbe Künſtler ver⸗ fertigte ihm auch ein diamantenes Halsband, wozu die Steine aus Venedig für 2000 Gulden verſchrieben wurden. Auch viele andere Kleinodien bezog der Herzog aus Nuͤrnberg, Medaillen, die zum werthvollſten Schmucke gehörten, Spangen, Ringe, wie er denn davon einmal für mehr als tauſend Gulden kaufte. Daß ſich auf dieſe Weiſe bald ein bedeutender Schatz an⸗ häufen konnte, iſt erklärlich.

Wie der Lurus in den obern Schichten der Geſellſchaft zunahm, verbrei⸗ tete er ſich auch nach unten. Vor allen ſah ſtch die Bürgerſchaft bald in den Stand geſetzt, mit den Vornehmern in der Lebensweiſe und ſo auch in Schmuck und Pracht zu wetteifern. Während der Adel im Wohlſtande ſank, nur vergeu⸗ dete, nicht erwarb, in unſinniger Weiſe ſeine Güter verwaltete, ſo daß nach und nach viele in Armuth geriethen, fand das Bürgerthum im Gewerbe und Handel die beiden mächtigen Hebel, die es aus einer anfangs gedrückten und verächtlichen Lage zu Wohlſtand, Achtung und Behaglichkeit erhoben. Als die Poeſte an den Höfen und auf den hohen Burgen keine Stätte mehr hatte, flüchtete ſie in die niedere, aber gaſtfreundliche Wohnung des Bür⸗ gers, an ſeinem Herde ließ ſie ſich nieder, verband ſich mit ſeiner Beſchäf⸗ tigung. Mit der Zeit erhoben ſich im Verhältniſſe zu dem ſteigenden Wohlſtande auch die Anſprüche des Bürgers. Er ſah ſich an Geld und Gut dem Adel gleich, ja überlegen; von allen Weltgegenden ſtrömten ihm durch die Kanäle des Handels neue Reichthümer zu, er vermochte nicht nur ſein Leben zu friſten, er konnte ſich nun auch mit einem angemeſſenen Luxus umgeben.

Auf dieſe blühenden Zuſtände der Städte, auf ihre Macht und das darauf ſich ſtützende Selbſtgefühl der Einwohner, ſah der umſitzende, zum