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Von H. E. Linck. 463
Pflanzen, auch das Zuckerrohr verzweigt, werden in Demerary vornehmlich zwei angebaut, die als grünes und blaues Rohr unterſchieden werden; das eine wegen ſeiner Saftfülle, das andere wegen ſeines ſtämmigen Wuchſes vor⸗ gezogen. Wir maßen ſorgfältig einige der längſten Halme der letztgenannten Unterart, und fanden die anſehnlichſten volle zwanzig Fuß lang. Die Fort⸗ pflanzung geſchieht auf die einfachſte Weiſe von der Welt, unmittelbar nach Vollendung der Ernte. Um dieſe Zeit nämlich werden ſämmtliche Wurzel⸗ ſtöcke einer genauen Muſterung unterzogen, die hinfällig gewordenen ausge⸗ graben und die etwa Fuß lange Spitze eines friſchen Halms ohne weitere Vor⸗ bereitung an die Stelle des Invaliden gepflanzt. Die eben beginnende Re⸗ genzeit tritt als nährende Amme in's Mittel, und binnen Jahresfriſt iſt der Schößling groß genug geworden, um Tribut an die Schnitter zu entrichten. Die einzige Arbeit außer der Ernte iſt das Behacken und Abblatten der Stöcke, und der nimmer endende Kampf mit den gewaltigen Rattenheeren, die mit ſeltenem Muthe Freiheit und, Leben an den heißbegehrten Lecker⸗ fraß ſetzen.
Aber auch die Menſchen, welchem Stamme ſie irgend angehören, ſind dem Genuſſe des Zuckerrohrs, d. h. ſeines friſchen Saftes, höchlich gewogen, wohl hauptſächlich deßwegen, weil man ſich demſelben ohne jene wohlbegrün⸗ dete Aengſtlichkeit hingeben darf, der die meiſten übrigen, wenn auch würzi⸗ geren Genüſſe aus dem Pflanzenreiche verbittert. Ja, der Saft des Zucker⸗ rohrs gilt ſogar für äußerſt nahrhaft, obgleich ich ſeine Wirkung mehr mit dem erwünſchten Reſultate einer Traubenkur als einer Mäſtung vergleichen möchte. Dem ſei übrigens wie ihm wolle: hat einmal die Zuckerernte be⸗ gonnen, ſo finden ſich bei allen Obſthöckerinnen Vorräthe von geſchnittenen Handſtuͤcken des Rohrs aufgeſchichtet, koſtet Hoch und Nieder ſeiner Süßig⸗ keit Fülle, und findet ſelbſt der hart angeſtrengte Arbeiter im Felde Zeit, ſeines reichlichen Antheils froh zu werden. Am gierigſten freilich ſind die Neger dahinter her, und wie etwa bei uns zum großen Aergerniſſe des Win⸗ zers, der nach anſtändigem Brauch Beere um Beere gepfluͤckt und zum Munde geführt wiſſen will, der mehr luſterne als geſittete Lecker die ganze Traube an die Zähne ſetzt, ſo hält ſich der gefräßige Nigger mit der Formalität des ſäuberlichen Zerſchneidens nicht auf: er haut ſich ein Stuck von der Länge und Dicke ſeines Arms, faßt es mit der Linken um die Mitte, ſetzt das ur⸗ kräftige Gebiß in die Schnittfläche ein, zerrt mit einem gewaltigen Ruck das


