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Von Edmund Heefer. 9
Bruſt; die Andere lehnte ſich an das Steingeſims, ſtützte den Ellenbogen darauf und legte die Wange in die Hand. Und ſ o ſchauten ſie hinaus in die Landſchaft. Es war eine weite enerfnnege hie und da von kleinen Wäldchen unterbrochene fruchtbare Flur, die ſich links bis an die Wälder erſtreckte, in denen wir am Morgen der alten Gräfin begegneten. Rechts dagegen zeigten ſich in nicht großer Ferne Kirche und Häuſermaſſen eines bedeutenden Fleckens, und unmittelbar dahinter erhob ſich noch im vollen Sonnenglanz das Waldgebirge. Auf einer ſeiner Vorhöhen ragte ein alter Thurm über anklebendes, zerriſſenes Gemäuer noch jetzt trotzig empor.
„Was iſt das?“ fragte nach einiger Zeit die Dame, welche ſich an das Geſims gelehnt hatte, indem ſie, ohne ihren Kopf von der Hand zu erheben, mit dem grünen Fächer auf die Ruine deutete.—„Das iſt die Hirſchegg— die Stammburg; habe ich ſie dir noch nicht gezeigt, Diana?“ gab die Andere zur Antwort; die Stimme war eigenthümlich ſanft und melodiös und ent⸗ ſprach darchau⸗ dem Eindruck, den ihre ganze Erſcheinung machte, die hohe ſchlanke Geſtalt mit dem kleinen, leicht zur Seite geneigten Kopf, das Geſicht mit der kaum durchſchimmernden Röthe— auf den weichen, nicht ſchönen, aber überaus lieblichen Zügen, und vor allen das große, braune Auge mit ſeinem ſo milden, ſammtweichen Blick.
„Nein,“ verſetzte Diana jetzt auf ihre Wo orte,„du haſt es mir noch nicht gezeigt. Und wie ſollteſt du auch? Sind wir doch ſeit dem erſtenmal nicht wieder hier geweſen; und da rief man uns ja zu deinem Couſin ab, Margot.“—„Ah!“ ſprach dieſe und legte den Arm wieder um die Freun⸗ din, und beugte das Geſicht mit einem ſchelmiſchen Lächeln zu ihr nieder, „das iſt alſo ſchon ein Zeitpunkt für dich, nach dem du rechneſt?“—„Rede keinen Unſinn, Margot!“ ſagte Diana unwillig und ſchüttelte den Kopf; „wie ſoll ich denn ſonſt rechnen, wenn ich nichts von Montag, Dienſtag und den andern lieben Wochentagen weiß? Denn davon erfährt man ja in dieſem geſegneten Hauſe nichts. Und das iſt gut,“ fuhr ſie fort und richtete ſich auf.„Ich habe es bei meinem verehrten Herrn Onkel zur Genüge erfahren, welch eine Qual in dieſen Tagen liegen kann. ‚Morgen iſt Sonnabend,“ hieß es, ‚da fährt man in die Stadt— Morgen iſt Mon⸗ tag, da ſäen wir Waizen.— Morgen wollen wir— ah, Donnerwetter! Morgen iſt ja Mittwoch, da geh' ich auf die Jagd! Du mußt bis über⸗ morgen— nein, bis zum Sonnabend warten; das iſt der Stadttag, liebe Nichte! Und weil es Mittwoch und nicht Samſtag war, bekam ich meine Wolle nicht und konnte meine Arbeit nicht mehr zum Geburtstag meiner
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