Jahrgang 
1 (1858)
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8 Die alte Erlaucht.

wandte ihr Thier um, ſo daß ſie auch noch den Sprung von Huberts Pferd bemerkte und mit einemBravo! belohnte. Das Thier des Reitknechts aber ſcheute und machte dem Menſchen ſo viel zu ſchaffen, daß die Gräfin endlich lachend den Kopf ſchüttelte und ihm zurief:laß es gehn, mein Sohn, ſo thut ſich's nicht. Reite außen herum nach dem Lehnhof; wir ſind gleich da. Und indem ſie ihr Pferd in den langen ſchmalen Weg lenkte, der vom Raſenplatz aus an der Rückſeite des Parks zwiſchen einer pracht⸗ vollen dichten und hohen Dornhecke und einer hohen Gebüſchwand entlang

8 lief, und es dann liebkoſend auf den blanken Hals klopfte, ſprach ſie zu 4 Hubert gewendet halb ſpöttiſch, halb ärgerlich weiter:ich weiß nicht, wohin das alles will! Reiten können ſie auch nicht mehr, die Menſchen, was kann man denn eigentlich noch?Den Mund aufreißen und Redens⸗

arten machen, Erlaucht, verſetzte der Alte launig im Weiterreiten.

Es war ein paar Stunden ſpäter. Die Sonne des Oktobertags hatte ſich bereits ſo tief geſenkt, daß die Wege des Parks und die dichten Gebüſch⸗ partien im milden Schatten ruhten; aber deſto voller und wärmer, wie mit heller Freude übergoſſen ihre Stralen den hohen Wall, welcher früher eine Art von Befeſtigungswerk, jetzt nur eine großartige Wehr gegen die Waſſer

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des Sees bildete, der ſich, von einem raſchen Fluſſe genährt, mit luſtigen Wellen theils am Park entlang zog, theils durch eine große gewölbte Oeff⸗ nung des Walls hereintrat und ſich drinnen zwiſchen den kleinen Wieſen und Wäldern zu einer ſpiegelnden Fläche ausdehnte. Der breite Gang auf der Höhe des Walls war mit hohen Linden beſetzt, welche ihn ſtets ſchattig und angenehm im Sommer und im Herbſt und Fruhling windfrei erhielten.

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Es war eine Promenade, wie ſie eine Dame nur wüͤnſchen kann.

Das ſchienen auch die beiden jungen Mädchen zu denken, welche ſich zu dieſer Stunde in der Allee befanden und⸗der Annehmlichkeit ihres feſten, trockenen Weges, wie der wundervoll klaren Linilden Luft ſich erfreuten. In ihre Shawls gehüllt gingen ſie ſchweigend und feſt aneinander geſchloſſen auf und nieder; jede hatte den einen Arm um die Freundin geſchlungen, und wenn ihre Blicke die Landſchaft draußen verließen, wandten ſie ſich lächelnd und voll innigen Verſtändniſſes eitander zu, als wollten ſie auch ohne Worte ſich immer aufs neue ſagen, wie wohl ihnen ſei in ſolcher Gegenwart, in dieſer Umgebung. Endlich traten ſie an das ſteinerne Ge⸗ länder, welches den i Rand des Wallganges gegen das Waſſer zu einfaßte, und blieben dort, indem ſie ihre Umſchlingung lösten, noch immer ſtumm neben einander ſtehn. Die Eine faltete ruhig die Arme über die