Von Edmund Hoefer. 7
zu kam und den wilden Geſellen ſo gewann, daß er ihm Treue hielt bis in den Tod.“
Ueber des jungen Mannes Geſicht flog ein tiefer Schatten.„Das habe ich nicht gewußt, Euer Erlaucht,“ verſetzte er,„wie ich ja überhaupt nur wenig von meinen armen Eltern weiß. Nur Hubert hat mir zuweilen davon erzählt, als ich noch ein Knabe war; aber auch er wollte nicht recht mit der Sprache heraus.“—
Die Gräfin wandte ſich nach einem langen gedankenvollen Blick uber den Platz ab und ging langſam auf einem Fußſteige zuruͤck in den Wald hinein.„Davon läßt ſich auch nicht viel ſagen,“ ſprach ſie erſt nach einer ganzen Weile zu dem ihr zunächſt gehenden Forſtmeiſter.„Es iſt an und für ſich ein kurzes und zuletzt recht trübes Kapitel. Aber das weißt du ja, Gerhard. Ich rede nicht gern davon, denn das führt zu nichts als das Herz noch ſchwerer zu machen.— Und nun genug,“ fuhr ſie fort.„Beſorge jetzt alles Uebrige mit den Leuten und weiſe ſie gehörig an, daß man in drei Wochen mit dem Schlagen beginnen kann. Läßeſt du dich heut Abend noch einmal ſehn, mein Sohn?“ Und als er ſich dankend und zuſtimmend ver⸗ beugt hatte, ſagte ſte:„nun, dann adieu. Wir gehn hier auf dem Richtſteige. Komm, Hubert!“ Dann ging ſie mit ihrem Begleiter nach einem freund⸗ lichen Nicken in einen ſich öffnenden ſchmalen Pfad hinein, der ſie in nicht zu langer Zeit wieder an den Saum des Waldes und zu der Bruͤcke führte, wo der Diener mit den Pferden wartete. Seit dem Abſchied von Gerhard hatte ſie kein Wort mehr geredet; ihre Stirn war leicht gefaltet, ihr Blick ernſt und faſt traurig. Und auch der Jäger ſchaute finſter darein.
Erſt als ſie nach einem ſcharfen Galopp ſich der Parkſeite näherten, welche dieſer Gegend zugewendet war, hob die Gräfin den bisher geſenkten Kopf wieder empor, und indem das freundliche Lächeln, welches heut Mor⸗ gen ſo oft ihr Geſicht erhellt hatte, noch einmal durch die Züge flog, ſchob ſte den kleinen ſchwarzen Hut, der ihr ſilbergraues Haar bedeckte, ein wenig nach hinten und ſagte:„ſind wir nicht Thoren, Hubert, uns ſo nieder⸗ drücken zu laſſen? Vorbei, vorbei! Das iſt nun einmal hin und in Gottes Hand.— Laß uns mit vergnügten Geſichtern nach Hauſe kommen!“ ſetzte ſte hinzu und ließ die Reitpeitſche mit leichtem Schlag auf ihr ſchäumendes Pferd fallen, ſo daß es wiehernd und kopfſchüttelnd wieder in den kurzen Galopp fiel, vor dem niedrigen hölzernen Gatterthor in der Umfriedigung des Parks ſcharf anſetzte und im zierlichen Sprunge leicht hinüberſchoß.
Auf dem runden kleinen Raſenplatze drüben hielt die Dame an und


