Jahrgang 
1 (1858)
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10 Die alte Erlaucht.

Tante, der Stiftsdame, beendigen, was ſie mir auf ihrem Todbette noch gedenken wird.

Margarethe, oder wie die Freundin ſie nannte, Margot lachte.Im⸗ mer noch die alte Spötterin, Diana! rief ſie mit dem Finger drohend. Was würde Mademoiſelle Chenaud ſagen, oder gar Schweſter Roſalie! Spott? Bah, Margot, keine Idee! Bitterer Ernſt iſt's und bittere Wahrheit! Du kannſt dir nicht vorſtellen, wie dieſe alten Leute ſind; und was aus mir hätte werden ſollen, wenn deine Großmutter mir nicht hier bei euch ein Aſil eröffnet, weiß ich in der That kaum zu denken. Aller Wahrſcheinlichkeit nach aber die leidende Gattin eines der rothnaſigen Jagd⸗ geſellen meines Onkels, oder die ſteife Gemahlin eines der alten hochadeligen und ſehr gichtbrüchigen Hageſtolze, die ſich mit meiner Tante Abends am L'Hombretiſch zanken. Eine andere Ausſicht gab's nicht, und darum geh ich auch mein Lebenlang nicht wieder in dies doppelte Heirathsbureau.

Sie waren lachend in den Gang zwiſchen den Bäumen getreten, den die untergehende Sonne mit einem ſo vollen und glühenden Licht erfüllte, daß die beiden Mädchen ſich geblendet ab⸗ und den Stufen zuwandten, die vom Wall in den Park hinabführten.Boshaft neckiſch und ſchön, wie eine Seejungfer! bemerkte Margarethe im Hinunterſteigen heiter; mein Couſin hat Recht ſo biſt du! Den haſt du, glaub' ich, ſchon beſtrickt, Diana! Und er gehört wenigſtens nicht in jene Antikenſammlung. Diana lachte, aber als ſie jetzt drunten am Seeufer waren, blieb ſtatt weiterzugehn, plötzlich ſtehn, hob den Kopf auf und ſah der Freundin mit einem forſchenden Blick ihrer prachtvollen blauen Augen ſo ſcharf und plötzlich ins Geſicht, daß dieſe unwillkürlich den Blick ſenkte, während ſich ihre Stirn und Wangen mit einer leiſen Röthe überzogen.

Biſt du eiferſüchtig, Margot? fragte Diana nach einer kleinen Pauſe mit ſo ſchalkhafter Betonung, daß die Andere überraſcht wieder aufſah.

Eiferſüchtig? verſetzte ſie verwundert;auf wen? Weßhalb?Mar⸗ got Kind, verſtelle dich nicht ſo! Auf wen denn ſonſt, als auf mich,

die Seejungfer, und zwar deines Couſins wegen?Hugo, meinſt du? rief ſie und ſchüttelte herzlich lachend den Kopf.Hugo und ich? Diana, u haſt wunderherrliche Einfälle! Hugo und ich, die wir faſt als Bruder und Schweſter mit einander aufwuchſen nein, Gott weiß, daran haben wir beide niemals gedacht! Niemals! ſetzte ſie eifrig hinzu.Wir haben uns ſehr lieb und könnten, glaub' ich, viel für einander thun und dürfen ſtets auf einander rechnen. Aber von einer Heirath und den akkompagniren⸗