—
Von Edmund Hoeſer. 5
das wißt ihr ja.“ Damit ſchritt ſie den Männern voran über den Wald⸗ boden hin und ließ das Geſchäft ſeinen Fortgang nehmen.
Aber bei mehr als einem der prächtigen Stämme, die angeſchlagen wurden, blieb ſie ſtehn, ſah lange hinauf zur leiſe rauſchenden Krone und meinte ſeufzend:„es iſt Jammer und Schade, Gerhard! Mir iſt's, als ſollt' ich ein Glied meines Leibes verlieren mit den alten ſchönen Bäumen! Und ich thät's bei Gott nicht!“ Als ſie ſich dann von dem großen Platz in den Wald hinein und zu einzelnen Stämmen wandten, wiederholte ſie ihre Worte und Seufzer in ähnlicher Weiſe noch oft, ſuchte auch dieſen und jenen Stamm zu retten und verbot bei einigen das Anſchlagen ganz. Und als ſie dabei einmal auf Gerhards und Huberts Geſichtern ein unterdrücktes Lächeln bemerkte, meinte ſie:„ja, ja, Kinder,
wenn es nicht ſein müßte
ihr nehmt's eben, wie ihr's verſteht; aber Unſereiner faßt das anders auf.
Die alten Burſche da ſind mir ans Herz gewachſen; ſie und ich, wir gehören alle zu Königshofen, und es iſt von jeher nicht anders geweſen, hat mir mein ſeliger Herr noch ſelbſt geſagt.“
So mochten ein paar Stunden vergangen ſein, bis ſie das Geſchäft beendigt hatten und die Mittagszeit herangekommen war. Da ſtanden ſte auf einem kleinen freien Platz, allein hell war es dort doch nicht, weil die rings ſtehenden Bäume den Raum mit ihren mächtigen weitverzweigten Kronen faſt ganz überwölbten und ihn in grüne Dämmerung huͤllten. Nach der einen Seite hin ward er durch vier ungeheure alte Eichen⸗ ſtämme begrenzt, von denen jeder vier bis fünf Klafter im Umfang hatte.
Der zweite Förſter, der bisher meiſtens ſchweigend ſein Geſchäft ver⸗ ſehn oder doch nur, wenn es die Gelegenheit mit ſich brachte, eine Aeußerung gethan, lüftete hier leicht die Mütze und ſagte:„Cuer Erlaucht— der Alte da in der Mitte würde auch am beſten gleich mit angeſchlagen; es iſt Zeit für ihn. Wenn wir im nächſten Frühling einen Sturm kriegen, wie den letzten— da, glaub' ich, geht er doch kaput.“
Sig war mit ihren Begleitern zwiſchen den letzten Bäumen gegenüber von den Rieſen ſtehn geblieben und hatte ihre großen hellbraunen Augen mit einem eigenthümlich ernſten und nachdenklichen Blick über den Platz ſchweifen laſſen, bis der Förſter zu reden begann und ſie ihr Geſicht lang⸗ ſam ihm zuwandte. Nun da er geendet, ſchüttelte ſie leicht das Haupt und entgegnete ernſt:„das wird kommen, wie Gott will, mein Sohn, und nicht wie Er denkt; geſchlagen werden die Bäume da nie und zu keiner Zeit. Merkt euch das, ihr alle, die ihr dabei ſeid, und die ihr hier wohl noch


