Jahrgang 
1 (1858)
Einzelbild herunterladen

.

Von Edmund Hoefer. 3

beſtellt?Zu Befehl, Erlaucht, entgegnete er, und ſie ritten langſam dem Graben entlang, wo rechts bereits die junge Saat die Aecker mit grü⸗ nem Schimmer überkleidete, und links der weite Forſt prachtvoll und dicht, aber mit ſchon bunt gefärbtem Laube zur Höhe ſtieg.

So ritten ſie eine geraume Zeit bald im Schritt, bald, wo der Boden ebener und nicht von der letzten Furche der Pflüger mit loſer Erde überſchüttet war, auch einmal im leichten Trabe den Waldſaum entlang, über Felder und Brachſchläge, an den grüßenden Hirten vorbei, welche mit ihren Heerden hie und da den Reitern begegneten, über Gräben und durch Feldwege, bis ſte ſich wieder dem hier aufſteigenden, meiſtens aus alten Tannen beſtehenden Walde näherten. Dort, vor einer Brücke, welche über den Waldbach füͤhrte, zeigten ſich neben einem Reitknecht in dunkler Livree ein paar andere Männer in Jägertracht, und nahe vor ihnen hielt die Gräfin an und ſchwang ſich ſo leicht aus dem Sattel, daß der haſtig herbeiſtolpernde Diener zu ſpät kam.Da, ſprach ſie und warf ihm die Zügel zu,nimm die Pferde. Und merke dir, mein Sohn du brauchſt nicht ſo zu ſpringen, denn ich laſſe mir doch nicht helfen. Alles mit Manier und Geduld!

Sie wandte ſich freundlich den Andern zu.Sieh da, Gerhard, mein trefflicher Forſtmeiſter, ſagte ſie, indem ſie den Stulphandſchuh abzog und die runzelige, aber ſehr kleine Hand einem reſpektvoll herantretenden und grüßenden noch jungen Mann hinbot.Wo treibſt du dich denn eigentlich umher, Geſell, daß man dich gar nicht mehr ſieht? Gibt's ſo viel zu thun? Ich erwartete dich heut auch gar nicht hier. Er hatte ihre Hand leicht an die Lippen gezogen.Ja, Euer Erlaucht, in den Seeforſten gibt's viel zu thun, erwiderte er dann;ich habe beinah vierzehn Tage mit dem Rentmeiſter zu verhandeln gehabt, und Euer Erlaucht wiſſen ja da geht es nicht ſo leicht, wie hier.Jetzt bleibſt du aber wieder daheim? fragte ſie.Mein Neffe, der Hugo, kommt wahrſcheinlich heut oder morgen und hat mir gedroht, das Haus auf den Kopf zu ſtellen. Da mußt du auf Ordnung ſehn, wie's einem getreuen Lehnsmann geziemt, Gerhard!

Sein offenes, ſchönes Geſicht überflog ein ſchelmiſches Lächeln, auch ſchüttelte er leicht den Kopf, und dann entgegnete er:werde nicht verfehlen,

Erlaucht! Aber bei Graf Hugo wird's nicht viel nützen; von mir läßt er

ſich gar nichts ſagen. Sie lachte.Du meinſt, am liebſten würdeſt du

ihm helfen zu aller Ausgelaſſenheit. Ich kenne dich! Und wie ich dich

eigentlich habe zum Forſtmeiſter machen können, verſtehe ich noch heute nicht, 1*