Jahrgang 
4 (1857)
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Neue walachiſche Märchen.

Von

Arthur Schott.

6. Die beiden Krenzbrüder.) (Erzählt von dem Bauern Georgje Vulpe in Jäm.)

Wenn ich auch nicht ſagen kann, wann und wo, ſo iſt es doch wahr, daß einmal ein mächtiger Kaiſer und Herrſcher über ein großes Reich eine einzige Tochter hatte. Dieſe zerriß jede Nacht zwölf Paar Stiefel, welche, wie ſich wohl denken läßt, nicht die ſchlechteſten waren, da ſie einer Prin⸗ zeſſin gehörten. Weder ihr Vater, noch irgend einer ſeiner geheimen Räthe, die um die Sache wußten, konnten errathen, wie dies wohl zugehen möge, und doch wäre es für ſie von höͤchſter Wichtigkeit geweſen, es zu wiſſen, um es zu verhindern, denn es koſtete jährlich keine kleine Summe, für die Prinzeſſin alle dieſe Stiefel anzuſchaffen. Deßhalb ließ der Kaiſer auf das Zureden ſeiner geheimen Räthe in der Hauptſtadt, ſowie im ganzen Lande bekannt machen, daß derjenige, welcher errathen würde, wie und auf welche Weiſe die Prinzeſſin jede Nacht ſo viele Stiefel zerreiße, nicht nur dieſelbe zur Frau bekommen, ſondern auch nach dem Ableben ihres kaiſerlichen Vaters Erbe von Krone und Zepter werden ſolle. Dieſe Bekanntmachung reizte natürlich viele Prinzen und Herren an den Hof zu kommen und zu rathen, aber umſonſt, es wollte keinem gelingen, das Geheimniß zu offenbaren.

Wie nun keine Prinzen und Herren mehr waren, ſo kamen auch andere Leute, höhere und niedere, um ihr Glück zu verſuchen, aber ebenſo umſonſt. Um dieſe Zeit nun war es, daß ein Bauer in ſelbigem Kaiſerreiche einen Knecht um den Jahreslohn von ſechzig Gulden gedingt hatte. Letzterer