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wohl und mag Roſalinde einen Unglücklichen vergeſſen, der fortan nur noch die eine Seligkeit kennen wird, an ſie zurückzudenken.“
„Vater— um Gottes Willen was geht hier vor?“ rief da die Frau, die es nicht länger hinter dem Schirm ertragen konnte. Aber Wunibald hörte ſie ſchon nicht mehr. Er hatte ſeinen Hut aufgegriffen und in wildem Schmerz das Zimmer verlaſſen, und als ihm die Mutter in ihrer Todes⸗ angſt folgen wollte, ergriff ihr Gatte ſie am Arm und führte ſte langſam in das Zimmer zurück.
„Es iſt gut ſo,“ ſagte er ernſt und faſt ſchmerzlich dabei,„er und ich konnten nicht anders handeln.“—„Aber wie heißt der Unglückliche?“ rief die Frau unter vorquellenden Thränen.—„Tröſte Roſalinde,“ ſprach der Vater weich, drückte einen Kuß auf ihre Stirn und verließ raſch das Zimmer und das Haus.
Am nächſten Tag lief ein dumpfes Gerücht durch alle Kaffeegeſellſchaf⸗ ten von Yſtadt, daß bei Steuerraths irgend etwas vorgefallen ſei. Was es wäre, darüber war man noch im Zweifel, wenigſtens tauchten ſo viel ein⸗ ander widerſprechende Auslegungen auf, daß die guten Frauen von Yſtadt wirklich in Verlegenheit kamen, welche Nachricht wohl die ſchrecklichſte und außergewöhnlichſte ſei, um dieſe dann kräftig mit verbreiten zu helfen. Darüber ſchien man einig, daß ſich der Dr. Wunibald unter einem falſchen Namen in die Familie geſchlichen und jetzt polizeilich und ſteckbrieflich ver⸗ folgt werde— denn ſeit geſtern Abend war er aus Yſtadt verſchwunden. Was er aber kürzlich verbrochen hatte, war bis jetzt unmöglich geweſen zu ermitteln.
Die Frau Steuerräthin wie Roſalinde hatten übrigens an dem Nach⸗ mittag für drei verſchiedene Kaffeeeinladungen danken laſſen, und zwar un⸗ ter dem Vorwand von Unwohlſein, und der weibliche Theil von Yſtadt war in Verzweiflung.
Darin hatte denſelben aber der, in ſolchen Sachen wirklich fabelhafte Inſtinkt, vielleicht auch eine Andeutung von Steuerraths Dienſtmädchen doch richtig geleitet, daß ſte vor allen Dingen den wirklichen Namen des Flücht⸗ lings herausbekommen wollten; das. Uebrige mußte dann von ſelber ans Tageslicht. Das aber glaubte man am beſten durch die Polizei erfahren zu können. Die Frau Polizeiräthin bot ihre Vermittlung an,— leider jedoch ohne weſentlichen Erfolg.


