Jahrgang 
4 (1857)
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6 Eine ſtille Natur.

man ihrer Sorgfalt vielfache Bequemlichkeit und weſentliche Erſparungen im Hausweſen verdankte, machte er eines Tages den Vorſchlag, die monat⸗ lichen Ueberſchüſſe der Wirthſchaftskaſſe für die Nichte zu hinterlegen, damit ſte ſich auf dieſe Weiſe ſelbſt eine Ausſtattung für ihre Zukunft erwerbe. Gegen ſein Erwarten aber ſtieß er mit dieſer Abſicht auf Widerſtand bei ſeiner Frau, und Emilie hatte dies kaum bemerkt, als ſie ängſtlich der Tante zu mißfallen, den Finanzrath ſelbſt erſuchte, davon abzuſtehen. Wolle der Onkel etwas für ſie thun, was ihrer Zukunft viel ſicherer zu gute komme, ſagte ſte, ſo möge er ihr erlauben, einige Unterrichtsſtunden zu nehmen, und namentlich ſich in der Muſik auszubilden, in deren Anfangsgründe ihr Vater, ein armer Dorfkantor, ſie liebevoll unterrichtet hatte. Der Finanz⸗ rath bewilligte ihr das gleich, ſeine Frau zeigte ſich damit einverſtanden, und da man die Lehr⸗ und Uebungsſtunden ſo verlegte, daß Emilie in ihrer häuslichen Thätigkeit dadurch nicht behindert wurde, ging die Mißſtimmung der Tante für diesmal vorüber. Aber ſie hegte überhaupt keine rechte Zu⸗ neigung für das junge Mädchen, und je nützlicher daſſelbe ſich zu machen wußte, um ſo weniger. Sie tadelte ſich zuweilen ſelbſt deßhalb, ohne daß dies die Sache beſſerte. Sie mißgönnte der Nichte den Antheil, welchen ihr Onkel an ihr nahm. Es verdroß ſie, daß jene den Haushalt pünktlicher überwachte, daß ſie dadurch dem Finanzrath einen Mangel in ihrer bisheri⸗ gen Verwaltung zur Einſicht gebracht hatte, und obſchon Emilie ſich ihr Thun in keiner Weiſe als Verdienſt auslegte, obſchon ſie beſcheiden und zurückhaltend blieb, wie immer, ſah Frau Hallmann es dennoch, wie gern ihr Gatte die Nichte um ſich hatte, wie er ihr Verhalten anerkannte und ſie im Hauſe und in der Geſellſchaft zur Geltung zu bringen ſuchte. Er handelte damit nur folgerecht, denn er wünſchte ſeine Verwandte, ſeine Pflegetochter, wie er ſie oftmals hieß, in eine angemeſſene Lage zu bringen. Grade darin aber empfand die Finanzräthin eine Kränkung, darin glaubte ſie das Ge⸗ ſtändniß zu leſen, daß ſte ihrem Gatten nicht mehr ausſchließlich genüge; ſie meinte zu bemerken, daß Emilie einen Einfluß, eine Art von Herrſchaft über ihren Onkel erſtrebe, und ihre eigene Herrſchſucht und Eiferſucht fanden ſich dadurch gereizt. Müßige Frauen haben zu beidem große Anlage und üben nicht ſelten große Härte gegen die Dinge und gegen die Menſchen, welche ihrer Alleinherrſchaft willkürlich oder unwillkürlich entgegentreten. Sie können einen Groll faſſen gegen den Freund, gegen das Amt, gegen die Plane und Erinnerungen ihres Mannes, wie gegen ſein Kartenſpiel und ſeine Violine, wenn ſie ſich durch einen dieſer Gegenſtände beeinträchtigt

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