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Von Fanny Lewald.
ſie ſelbſt ſich angemeſſen glaubte. Ihr ſpäter eine andere anzuweiſen, ſte mehr an ſich heranzuziehen, blieb immer noch Zeit, und jedenfalls war ſolch ein Zurückhalten und allmäliges Vorwärtsſchreiten für alle Theile das ſicherſte.
Es währte auch gar nicht lange, bis Emilie ſich in dem Hauſe zurecht zu finden begann. Aber wie ſie in ihren Bewegungen und in ihrem Spre⸗ chen leiſe und behutſam war, ſo ging ſie ihren Weg in dem neuen Kreiſe auch nur langſam vorwärts. Die Tante, wie man ſte angewieſen hatte, die Finanzräthin zu nennen, die Tante und deren Umgebung und Gewohn⸗ heiten waren ihr erſtes Augenmerk. Das war ganz natürlich, aber das Natürliche, Nächſtliegende richtig herauszufinden und zu erkennen, ſetzt einen ruhigen Verſtand voraus, und dieſe Eigenſchaft beſaß Emilie trotz ihrer großen Jugend. Sie hatte das, wie eine Art von Stammeserbe, mit ihrem Onkel gemein, war wie dieſer fern von Eitelkeit, und das lange Lei⸗ den ihrer Großmutter hatte ſie von ihrer Kindheit an zur Selbſtloſigkeit er⸗ zogen. Selbſtloſe Menſchen aber, die zum Beobachten geneigt ſind, kommen bei einem bewegten Verkehr ſehr leicht dazu, ſich zu bilden, zu entwickeln, beſonders wenn ſie ſich plötzlich in eine neue Umgebung verſetzt finden, und weil ſie meiſt zurückhaltend ſind, fallen ſie ſelten in den Fehler, ihre Un⸗ kenntniß zu verrathen oder ſich unnöthige Blößen zu geben.
Emilie ſprach wenig, doch merkte man, daß ſte immer mit Spannung zuhörte, wenn die Rede ſich auf Bedeutendes wendete. Sie bot ſich ſelten zu Dienſten an, denn ſie wußte jedem, auf den ihre Aufmerkſamkeit ſich richtete, ſeine Bedürfniſſe abzuſehen, und ſo geſchah es, daß nicht nur der Finanzrath und ſeine Frau ſich an ihre Anweſenheit gewöhnten, ſondern daß die Beſucher des Hauſes ſie bald vermißten, wenn ſie einmal nicht da war.
Frau Hallmann hatte Emilie angewieſen, ſich unter der Leitung der Haushälterin mit der Wirthſchaftführung vertraut zu machen, aber die ſtille Achtſamkeit der Unerfahrenen ward dabei bald ſo große Vernachläßigungen und Unredlichkeiten von Seiten der ſämmtlichen Dienerſchaft gewahr, daß ſie ſich allmälig aus einem Lehrling in eine Aufſeherin verwandelte und am Ende des erſten Jahres ihren Verwandten den Vorſchlag machen konnte, ihr ausſchließlich die Beſorgung und Verwaltung des Hausweſens zu überlaſſen. Man ging darauf ein, und alle Theile befanden ſich dabei wohl. Emilie hatte eine Genugthuung darin, ſich ihren Wohlthätern nützlich zu wiſſen, und dieſe lernten den Unterſchied zwiſchen freiwilligen und bezahlten Dienſten kennen.
Der Finanzrath, der wie alle bejahrten Männer Vergnügen an dem Verkehr mit jungen Mädchen fand, faßte eine Zuneigung zu Emilien, und da


