Jahrgang 
3 (1857)
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Von Fr. Lubojatzky. 13

denen Feldern, und die Glockentöne vom uralten Bielewitzer Kirchthurme begrüßten in feierlichem Sang den ankommenden Lehrer der aufblühenden Generation, welcher in Mitte derſelben nach Verabredung mit dem Paſtor in die Kirche und dann in die Schule geführt wurde. Ueberall hingen die blauen Kornblumenkränze als Zeichen der Freude, und aus den Augen der ehrlichen Landleute leuchtete es ſo feierlich, daß der neue Ankömmling nicht zweifeln durfte, auch in ihren Herzen hätten ſie Kränze des herzlichſten Willkommengrußes aufgehängt. Mutter Balzer und ihr Aennchen hatten als Zeugen der Feierlichkeit, mit der ihr Sohn und Bruder hier empfangen wurde, viel geweint, aber es waren Thränen freudigſter Rührung, und die laſten nicht ſchwer auf dem Herzen, ſondern ſind der heilige Thau ſchö⸗ nen tiefen Gefühls. Und wie alles vorüber war, führte Hermann ſie in ſeine über den geräumigen Schulſtuben gelegene Wohnung, in deren offene Fenſter reichtragende Birnbäume freundlich hereinnickten. Da war freilich keine Pracht zu ſchauen, denn der Möbel zeigten ſich nur wenige, aber das Einfache hatte auch hier eine ungeſuchte Weihe gefunden, die Bielewitzer hatten nämlich Thüren und Fenſter mit Guirlanden und Kränzen geſchmückt. Es war ſo lauſchig, ſo heimiſch in den beiden Stuben, in welche die Abendſonne, das reiche Laubwerk der Bäume durchbrechend, mit kleinen blitzenden Streif⸗ lichtern hereinglitzerte, daß es den Dreien ſelig ums Herz wurde.

Mütterchen, ſagte der neue Cantor ihre Hand ergreifend,deine Sorge um mich, deine Liebe zu mir kann ich dir nie vergelten und würde ich zum Reichſten auf Erden. Schätze bezahlen die Liebe eines Mutterher⸗ zens nie! Aber ich will verſuchen dir mit Freude zu lohnen, ſo viel in meinen Kräften ſteht. Mit deinem Segen und mit unſeres guten ſeligen Vaters Lieblingslied ſei alſo zuvörderſt Beſitz von meiner neuen Wohnung genommen. Mit den Worten trat er zu dem alten Inſtrumente, das er dem Cantor emeritus auf monatliche Abzahlung abgekauft hatte, und hob nach kurzem Präludium mit freudigem Herzen zu ſingen an:Was Gott thut, das iſt wohlgethan. Und die Beiden ſangen's mit aus voller Seele, daß es durch die offenen Fenſter hinaus, auf die vorüberfahrende Dorfſtraße ſchallte und die Leute zuhorchend ſtehen blieben.

II.

In dem Stillleben einfacher unbedeutender Menſchen ſind Ereigniſſe der Art, wie das im vorſtehenden Kapitel geſchilderte, von großer, lang