Jahrgang 
3 (1857)
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Von Fr. Lubojatzky. 9

Frage den Stachel bezeichne, der ihm das Herz verwundet hatte, ſie lachte laut, weil es ſo ſpaßhaft klang, was er ſich ſelber fragte. Er fuhr auf und blieb in einer drohenden Stellung am Stuhle ſtehen.Mein Himmel, biſt du denn böſe auf mich, weil ich gelacht habe? fragte das Mädcheu er⸗ ſchrocken.Ich habe es gar nicht ſchlimm gemeint, es hörte ſich nur ſo ſeltſam an, was du vor dir hinredeteſt. Die Mutter hat's auch gehört.

Ja, ſtimmte dieſe bei und zwar ſo ernſt, als befinde ſte ſich noch in den Nachwehen einer verdüſterten Stimmung.Dir iſt was Unange⸗ nehmes geſchehen, mein Sohn, ich ſehe Dir's an.Ja, etwas recht Unangenehmes, ſagte er, tief Athem holend;wäre mir es nicht wider⸗ fahren, ich wollte was darum geben.Sage es, das macht das Herz leicht, redete die Mutter zu.Vielleicht iſt's eine Sache, die dir viel häßlicher vorkommt, weil zufällig deine Stimmung nicht zur Aufnahme eines unſchönen Wortes oder ſonſt einer verdrießlichen Angelegenheit geeignet war. Da hilft bloß die Mittheilung an Andere, die es gut und herzlich mit uns meinen, von deren innigen Theilnahme wir überzeugt ſind! Es iſt ſclimm, wenn ſich der Menſch gewöhnt, ſeinen Kummer oder Aerger zu verſchlucken, ebenſo, wenn er ſeine Freude vor Anderen verbirgt, dieſe Geheimniſſe freſſen am Herzen wie Gift. Nur böſe Menſchen haben das nöthig, weil ſie im voraus wiſſen, daß ihnen doch von niemand eine auf⸗ richtige Theilnahme bei ihrem Kummer oder bei ihrer Freude gewidmet wird. Du biſt ein guter Menſch, Hermann, in den Fehler kannſt du nicht verfallen.

Jetzt ſagte er, was ihn ſo tief verletzt hatte, wie hätte er vor ſolcher mütterlichen Zuſprache ſeine Seele verſchließen können.

Laß dich das nicht ſo tief bekümmern, mein Sohn, entgegnete ſie, wenn du es recht überlegſt, biſt du dabei in gar keinen Nachtheil gekom⸗ men, ſondern nur der junge Oſſizier allein; denn ein ſchlechter Witz oder Scherz iſt wie ein Geißelhieb, den ſich der Urheber ſelber giebt.Aber die junge Dame hat er mich nicht vor ihr blamirt? rief Hermann. Das iſt's ja eben, was mich ſo ſehr gekränkt hat! Vor der möchte ich doch um alles in der Welt nicht als Stichblatt eines erbärmlichen beſchimpfenden Spaßes erſcheinen. Der Anflug höheren Rothes auf ſeinen Wangen machte Frau Balzer aufmerkſam. Warum denn grade der jungen Dame wegen eine ſolche verſtärkte Empfindlichkeit? Da mußte ein beſonderer Grund vorliegen.Kannteſt du ſie denn? fragte ſie.