Von Fr. Lubojatzky. 7
lieblichen Sommerſitz des Königs führte und dann auf breiter gutgehaltener Waldſtraße nach Johannsburg. Das Pflaſter dieſes Vorſtadtendes befand ſich in ſehr mißlichem Zuſtand, weßhalb die Wagen auch langſamer zu fahren genöthigt wurden. Hermann, der ſich nach der ſtattlichen Equipage umſah, blieb erſtaunt ſtehen.
Eine ſchöne liebliche Erinnerung tauchte in ihm plötzlich bei dem An⸗ blick der jungen bildſchönen Dame auf, welche mit einer älteren und ein paar Offizieren im Wagen ſaß, von denen der Eine, ein alter weißhaariger Herr, von hohem Range ſein mußte, denn er trug volle goldene Epauletten und eine Menge Orden auf der Bruſt, der Andere aber ein junger Mann mit einem kecken Schnurrbärtchen war. Die vier Perſonen ſchienen in fröh⸗ licher Laune zu ſein, denn ſte lachten, und es war auch ziemlich deutlich zu bemerken, warum? Die immer kleiner werdenden Häuſer der Gaſſe mach⸗ ten ihnen Spaß. Von dem Sitze eines ſo bequemen Wagens aus geſehen, mochten dieſe Abſtufungen von Höhen viel Aehnlichkeit mit Reihen immer kleiner werdenden Orgelpfeifen haben, Grund genug, daß Leute, die in prächtigen Häuſern wohnten, deren Dächer faſt zur Wolkenregion auf⸗ ragten, den Anblick ſolcher Verkleinerungen lächerlich finden konnten. Die junge Dame hielt ſogar das feine Battiſttuch vor das Geſicht, um ſich recht herzlich dahinter auslachen zu können, und als ſie es wieder hinwegnahm und die Hand mit demſelben auf den Rand des Wagenſchlages legte und ein paar Worte zu dem jungen Offizier redete, lagerte noch ſo viel Son⸗ nenſchein der Fröhlichkeit auf ihrem reizenden Antlitze, daß man faſt den Sonnenglanz, den der Himmel über dieſe arme Vorſtadt ausſpendete, bei ihrem Anſchauen hätte vergeſſen können.
Eben weil ſie ſo ganz in der Lachluſt drin war und mit dem jungen Herrn plauderte, warf ſie keinen Blick abſeits, ſte ſah Hermann in ſeinem ſchwarzen Fracke und der weißen Kravatte nicht am Gartenzaune ſtehn, wie er höflich den Hut in der Hand hielt. Aber ein ganz kleiner Umſtand ſollte ſie auf ihn aufmerkſam machen. Sie hatte vergeſſen, daß ihre auf dem Rand des Wagenſchlages ruhende Hand auch das feine Taſchentuch hielt und als ſie langſam vorüberfahrend die Hand im Geſpräche zufällig aufhob — vielleicht war auch ein leichter Stoß des Wagens daran ſchuld— flat⸗ terte das Tuch herab auf das unebene höckerige Pflaſter; ſie bemerkte es je⸗ doch ſogleich und rief:„Mein Tuch!“
„Halt Kutſcher!“ befahl der junge Offizier; aber da war Hermann


