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Die Wandlungen des Lebens.
Aennchen habe ich keine Sorge, ich habe ſie ſo erzogen, wie ich es vor Gott und Menſchen verantworten zu können glaube. Was ihr noch fehlt, muß ſie freilich lernen, aber mit einem beſcheidenen und willigen Herzen, wie Aennchen hat, macht ſich das alles leicht. Mit der Madame Schampach habe ich ſchon wegen einer Kammerjungferſtelle geſprochen, die Frau er⸗ fährt ſo manches in den vornehmen Häuſern, und der liebe Gott, der es mit dir wohl gemacht hat, wird auch mit Aennchen ſein.“
Dem war nun freilich nichts entgegen zu ſetzen, die Mutter hatte recht, und Hermann verlangte nichts weiter als die Zuſage, ſte wolle mit Aenn⸗ chen ſeiner Einführung ins Cantorat beiwohnen. Viel müßige Zeit bis dahin blieb ihm nicht, denn ſchon in nächſter Woche ſollte er die neue Stelle antreten und er hatte noch ſo manches zu beſorgen, mußte doch vorher ein⸗ mal nach Bielewitz, um ſeinen künftigen Herd einzurichten, das Nöthige wegen der Einführung mit dem Paſtor und dem Gemeinde⸗Vorſtande zu beſprechen, und dann mußte er auch in der Stadt bei ſeinen Gönnern noch Viſiten machen. Zum Herrn Conſiſtorialrath Ring war er ſchon viermal gegangen, ohne denſelben zu Hauſe zu treffen. Es blieb ihm nichts übrig, als noch am Morgen des Tages, wo ihm die Bielewitzer einen Wagen ſchicken wollten, abermals hinzugehen. Diesmal war er glücklicher und als er zurückkam, in ſehr guter Stimmung, der Herr Conſiſtorialrath hatte ſich beſonders wohlwollend gegen ihn bewieſen. Schon von weitem ſah Hermann die Mutter und Aennchen über den niedern Zaun des Gärtchens vor dem Hauſe ihm entgegen ſchauen. Der Wagen von Bielewitz war alſo noch nicht da, und wenn er auch dageweſen wäre, hätte er, da die Pferde doch gefüttert werden mußten, noch ein paar Stunden Zeit gehabt. Er eilte deßhalb nicht ſo ſehr, der Juni-Vormittag war heiß— warun ſollte er ſich in Schweiß laufen? So hatte er bereits den Gartenzaun ſeines Vaterhauſes erreicht, als hinter ihm die Gaſſe daher ein ſtattlicher vier⸗ ſttziger Wagen von ein paar Schimmeln gezogen, raſch angerollt kam.
In der Regel waren Erſcheinungen ſolcher Art in dieſer Vorſtadt nicht gewöhnlich, nur diejenigen, welche beabſichtigten, einen direkten Ausflug nach dem zu kurfürſtlichen Zeiten berühmten Jagdſchloß Johannsburg zu machen, wählten dieſen Weg, der hinſichtlich des Sandbodens und der
etwas dürren Heidegegend nichts beſonders Empfehlenswerthes bot. In
der Regel ſcheuten Fremde den Umweg von ein paar Stunden richt, der ſte längs des großen Stromes, der die Stadt theilte, erſt nach einem


