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Von Fr. Lubojatzky. 5 als Adjuvant angeſtellt geweſen, hatten ihn die Kinder ſo lieb, daß ſein Abſchied große, aufrichtige Trauer bei ihnen erweckte und ihn die ganze Schule bis über das Weichbild des Dorfes begleitete. Schon in ſeinem Aeußeren ſprach ſich das ſanfte Wohlwollen ſeines Herzens aus. Er beſaß eine ſchlanke Geſtalt und ein offenes ehrliches Geſtcht mit großen klaren Augen. Die Armuth, welche ſo oft vom traurigſten Einfluß auf das Ge⸗ müth zu ſein pflegt, hatte ihre Spuren nicht in das ſeine einprägen können, es blieb rein, unverdorben, des Eindruckes des Schönen und Edlen fähig. Die Mutter hatte ſein ſchuldloſes Gemüth behütet und jetzt, wo er ſelb⸗ ſtändig wurde, war es noch ſo rein, wie ehedem. Ihm ähnlich war ſeine Schweſter Aennchen, ein gutes freundliches Weſen mit einem blaſſen Ge⸗ ſicht, dem man es anſah, daß es der friſchen Luft bedurfte, denn das viele Sitzen macht das Blut matt und träge. Gewiß gab es niemand unter den Umwohnern, die dem Aennchen gram geweſen wären, denn es war be⸗ ſcheiden und höflich und hielt auf ſich ſelbſt auch im Aeußern, ſo daß es immer trotz des kärglichen Verdienſtes recht anſtändig einherging.
Unter ſolchen Umſtänden war es kein Wunder, daß alle Nachbarn ſich des Glückes der armen braven Balzer mitfreuten, und in der That empfingen ſte von allen auch die ſprechendſten Beweiſe dieſer Zuneigung. Einer bot dem neuen Cantor ſogar ein kleines Kapital von fünfzig Thalern an, damit er ſich doch ein wenig ſtandesmäßig einrichten könne, was Her⸗ mann auch dankbar annahm. Mit ſeinem Mütterchen kam er in gewaltigen Streit, denn daß ſie und Aennchen mit ihm fortan in Bielewitz leben ſoll⸗ ten, das ſchlug ſie rund ab und erklärte ihm, für Aennchen würde das gar kein Vortheil ſein. Man könne ja nicht wiſſen, ob ſich nichtefür ihn eine annehmbare Partie finde und dann würde Aennchen im Hauſe’ überflüßig ſein. Das wollte Hermann freilich nicht Wort haben, aber Frau Balzer ſagte ſehr ernſt:„Mein Sohn, ich habe ſo manches in der Welt erfahren und immer gefunden, daß in hälslichen Verhaäliniſſen nicht alles durchzuſetzen iſt, ugee grade denkt. Laß du mir meinen Willen, er iſt ſchon gut für dich und Aennchen. Mit der haß Anderes im Sinn.“—„Was
oll ſich zur Kammerjungfer ausbilden, vielleicht macht ſie auf dem Wege ihr Glück. Du mein Gott, wir armen Leute ſind nun einmal darauf angewieſen, uns durch die Welt zu bringen, ſo gut es gehen will. Jeder muß ſeine Fäͤhigkeiten zu Markte tragen und ſie verwerthen nach Möglichkeit, das iſt einmal nicht anders. Um
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