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474 Eine Fahrt durch Rügen.
am Strande liegen ſie; eine Weidenallee trennt ſie von dem Hafenorte Lauterbach. Links von Putbus geht es den prächtigen Forſten der Granitz und Stubbenitz zu; gerade gegenüber taucht die kleine Inſel Vilm aus den Fluten auf und ſteigen die ſeltſam geformten Berge der Inſel Mönch⸗ gut, vor allen ihr Vorgebirge Peerd empor, und nach rechts öffnet ſich der Bodden dem offenen Meere, ſchweift der Blick hinaus in die unge⸗ meſſene Ferne, ſegeln die Schiffe, von den großen Dampfern bis zu den leichten Fiſcherbooten, aus und ein.
Das Meer ruht glatt und ſtill in der Bucht, die Wellen kräuſeln ſich nur leiſe, die Wälder des Strandes und der Inſeln ſpiegeln ſich in der klaren Flut; man ſieht nichts von den ſchroffen Felſen der Kreide⸗ klippen von Arcona oder Stubbenkammer, alles iſt ſanft, mild und glatt. Die Sonne gießt eine Fülle von Licht auf dieſe wunderbare Scenerie— man kann es kaum glauben, daß man im hohen Norden iſt, ja man vergißt, daß man ein Seebild vor ſich hat.
Dieſe Begnadigung von Seiten der Natur iſt es vor allem, was die Menſchen nach Putbus zieht; ob es als Seebad beſonders heilſam und andern vorzuziehen iſt, mag eine andere Frage ſein. Gerade in dieſer Abgeſchloſſenheit und idylliſchen Geborgenheit vor der offenen See man⸗ gelt ihm jeder bedeutende Wellenſchlag; man fühlt beim Baden an dieſer Stelle keinen Unterſchied von den Gewäſſern des Boden⸗ oder auch nur eines Alpenſees. Häringsdorf und Doberan ſind daher auch Putbus weit vorzuziehen. Allein dieſes weiß ſchon, wodurch es die Herzen gewinnt, und darum puzt es ſich auch alljährlich immer ſchöner heraus, um den Fremden den Aufenthalt recht angenehm zu machen.
Der Lebenston iſt auf ganz Rügen ein ſo angenehmer, gerade durch ſeine Einfachheit feſſelnder, daß er ſich auch in Putbus nicht verleugnet. Die Stadt iſt eine kleine Reſidenz und beſitzt darum mehr ſchöne, ſtatt⸗ liche, neue Gebäude, als manche andere ihrer Größe. Der ſogenannte Zirkus, ein großer halbrunder Platz, das Pädagogium, das Theater und vor allem das wirklich prächtige Schloß des Fürſten von Putbus mit ſeinem köſtlichen Parke, dazu die breite, lindenbepflanzte Hauptſtraße, ſind Dinge, die nicht verfehlen können, einen ſehr günſtigen Eindruck zu machen. Das Badhaus bei Lauterbach iſt ebenfalls ganz neu, in antikem Style und in großartiger Manier erbaut.
Spät Abends kehrte ich von da, und nachdem ich noch einmal die


