Jahrgang 
2 (1857)
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leines

Von Friedrich Lampert. 473

vom Rugard geſchauten, den Blick auf das ganze, nun bald vollends durchwanderte Land bekommt man hier zum Abſchied mit.

Ach, dort blicken die ſchroffen Höhen von Mönchgut herüber, der originellſten, pittoreskeſten Halbinſel Rügens, ſo nah, ſo lockend und doch konnte ich ſie nicht mehr beſuchen! Schon damals mußte ich er⸗ fahren, daß man auf Reiſewegen nicht alle Blumen in ſein Album legen kann, und noch manche ungepflückt draußen ſtehen laſſen muß. Von Mönchgut alſo und ſeinen Sitten, von ſeinen Mädchen zumal und ihren Werbungen, wenn die Schürze vor das Haus gehangen wird, die jungen Burſche in Reih und Glied heranziehen, und die, der es gilt, ängſtlich lauſchend hinter der Thür ſteht, bis der kommt, den ſie meint und ihn ins Haus zieht davon kann ich euch nichts erzählen; wollt ihr das in poetiſchem Gewande haben, ſo lest Wilhelm Müllers Lieder. Meine Strandbilder habt ihr jetzt bald bis zum letzten erhalten. Schaut jetzt noch auf das, welches vielleicht mit das ſchönſte und lieblichſte iſt Putbus.

Seit jenen Tagen, da ich die Seebäder der Oſtſee durchwanderte, haben mir zwei andere Meere ihre ewige Muſik geſungen; aber wie auch der tiefblaue Himmel über der Adria lächeln mochte, wie mich auch das Weltleben in den Bädern der Nordſee feſſelte, das deutſche und das italiſche Meer konnten nicht die Erinnerung an jene liebliche Bucht ver⸗ wiſchen, an der, eine vom Meer ans Land geworfene koſtbare Perle, Putbus liegt.

So oöft ſehe ich dieſes wunderbare Strandbild vor mir, friſch, lebendig noch heute, wie an jenem Abend, da ich es zuerſt geſehen. Aber ich fühle es, was oft behauptet worden, daß ſelten ein Ort für Andere ſchwerer zu zeichnen iſt, als dieſes Putbus. Man hat es das Neapel des Nordens genannt, ſeine Lage mag entfernte Aehnlichkeit mit der Bai von Sorrent haben. Und es iſt wahr, wenn Neapel dem Südländer der Inbegriff alles Schönen und Herrlichen iſt, ſo mag der Nordländer getroſt ſeinem Putbus dieſen Namen geben.

Man kann ſich wirklich kaum etwas Reizenderes denken, als dieſen rügiſchen Bodden; hohe, waldbewachſene Ufer, lang hingedehnte Vorge⸗ birge ſchützen ihn, und an der, vor den draußen ſo wildſtürmenden Win⸗ den und ſo hoch gehenden Wellen geborgenſten Stelle zeigen ſich die weißen, fernhin ſchimmernden Häuſer des kleinen Städtchens. Nicht unmittelbar