Von Friedrich Lampert. 475
Stadt durchſtreift, in meinen Gaſthof zurück. In Putbus fluktuirt ein alle paar Tage ſich erneuernder Fremdenſtrom, da es der Landungsplatz der Swinemünder Dampfboote und der Ausgangspunkt der meiſten Rügen⸗ touriſten iſt. Eine ganze Schaar ſolcher, dieſen Nachmittag erſt vom Feſtland angekommen, meiſt Berliner Kinder, machte mich zum Zielpunkt ihrer Fragen, nach Art und Beſchaffenheit der Tour, die vor ihnen und hinter mir lag. Der Eine wollte das, der Andere jenes wiſſen, und endlich ſollte ich gar noch einem hübſchen Pfarrtöchterlein aus Anhalt helfen, den Herrn Papa zu bewegen, die Rückreiſe doch ja über Ham⸗ burg zu nehmen,„das ja gar zu ſchön ſein ſoll.“ Jubelnd und ſingend fuhren ſie am andern Morgen dann ins neue Land hinein, der Granitz zu— ich mußte an das Scheiden denken.
Das Dampfboot nach Swinemünde ging erſt am zweitfolgenden Tag; ich konnte es nicht benutzen, wenn ich am 28. Auguſt zu Göthe's hundertjähriger Geburtstagsfeier in Berlin ſein, und vor allem, wenn ich einen Plan ausführen wollte, den ich einmal nicht vereitelt haben mochte. Ich habe eine eigenthümliche Neigung, Orte, die vielleicht an und für ſich gar nicht etwas Beſonderes bieten, aufzuſuchen, nur weil ſie mir durch eine ſich an ſte knüpfende, mich beſonders anziehende Begebenheit, oder durch ihre bloße Nennung aus einem beredten Munde oder auch nur durch eine intereſſante Lekture bedeutend und anziehend geworden waren. Und da gilt es mir dann ganz gleich, ob ich auf Umwegen oder mit mancherlei Schwie⸗ rigkeiten an das Ziel meiner Wünſche komme— wenn ich es nur ſehe.
Und ſo hatte auch diesmal eine ſolche— nennt es— Laune, mir meinen beſondern, von dem anderer Reiſenden wohl etwas abweichenden Weg vorgezeichnet. Er ſollte nach Uſedom gehen, und auf dieſer Inſel nach dem Dörfchen Koſerow, dem Streckelberg— und das nur um eines Märchens willen. Ein Märchen iſt Vineta, die verſunkene, wunderſchöne Stadt, ein Märchen die ſchöne Pfarrerstochter von Koſerow, die Bern⸗ ſteinhere— und doch lag in dieſem alten und dieſem neuen Märchen ein ſolcher Reiz für mich, daß ich die Stätten ſehen mußte, um die ſich dieſe ſchönen Sagen ſpinnen.
Wie aber dahin kommen? Das gab ſich nicht ſo leicht und ſchnell. Ich mußte mir ein beſonderes Boot nehmen, ein paar Stunden durch den Rügianiſchen und Greifwalder Bodden fahren, dann ein Stück Landweg nach Wolgaſt machen und von da endlich nach Uſedom überſetzen, um am


