Jahrgang 
2 (1857)
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Von Elfried von Taura. 25

von der Schwelle des Ungerechten. Wohl mochte der Meier Hannes ahnen, was er in ſeiner Marie verlor er wollte ſich die Haare ausraufen über ihrem Sarge; es war fürchterlich, wie der Schmerz dem harten Mann mitſpielte. Der liebe Herr Gott wollte ſeine Seele rühren, ob ſie nicht in ſich ſchllüge. Aber als der wilde Schmerz ausgetobt hatte, ward es mit dem Meier Hannes ärger als zuvor. In ſeinen Geldhaufen ſuchte er Troſt, im rieſenhaften Zuſammenſcharren ſeine Zerſtreuung.

Darüber verwahrloste er ſeine Kinder. Was hätte der reiche Mann an ſie wenden und aus ihnen machen können! Er ließ ſie die Dorfſchule beſuchen, wie alle andern Kinder, aber ſie waren ſchlimmer daran als die Kinder der Armen, weil ſie nicht wie dieſe zur Arbeit angehalten wurden. Die beiden älteſten zwar, Marie und Cilly, waren ſchon hübſch große Mädchen, die zur Noth Mutterſtelle an den kleinen Waiſen hätten ver⸗ treten können; aber Cilly mußte ihrem Vater im Geſchäft helfen und Marie die große Wirthſchaft führen. So blieben die Kleinen meiſt ſich ſelbſt über⸗ laſſen oder in den Händen roher Dienſtboten. Es fehlte nicht an Freun⸗ den, denen das Schickſal der Kinder zu Herzen ging und die dem Vater riethen, entweder eine tüchtige Erzieherin für die Kinder anzunehmen oder ſie in Penſton zu geben. Dann ſagte er wohl:ja, es ſoll geſchehen. Aber es geſchah nichts bis es hieß: der Meier Hannes heirathet die Stein Veronel von Koſten, die mit ihrem Geld noch immer auf den Mann wartete.

Ich war im Wällehaus bei der Mutter Babet, als die Meier Marie athemlos hereintrat und meldete, daß ſie an der Stein Veronel, die ihre Mutter ſo bitter gehaßt hätte, eine Stiefmutter haben ſollte.Wie wird's uns Kindern gehen, beſonders den armen kleinen! ſeufzte ſie und weinte.

Die Marie war jetzt ſechzehn Jahre alt und eine blühende Jungfrau, die leibhaftige Mutter, nur ernſter und gelaſſener in Thun und Geberden. Man mußte ſeine Freud' an ihr haben. Züchtig war ſie wie eine Kloſter⸗ frau und mildthätig wie eine barmherzige Schweſter. Sie hatte ihre An⸗ hänglichkeit an die Babet treu bewahrt, und ſo große Sorge auf ihr lag, ſo verſäumte ſie doch keinen Tag, einen Sprung ins Wällehaus zu thun. Sie beſorgte auch noch den Briefwechſel zwiſchen der Frau und ihrem Mundl, und manches ſinnige Geſchenk von ihrer Hand fand ſeinen Weg mit nach Wälſchland an den kaiſerlichen Feldwebel Sigismund Pohl, bald ein Tabaksbeutel, bald eine Brieftaſche, bald eine Geldbörſe und was nur