Jahrgang 
2 (1857)
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26 Die Kriegskaſſe.

ein geſchicktes und ſinnreiches Frauenzimmer für allerliebſte Sachen zu ſchaffen weiß. Ja weil er einmal geſchrieben hatte, unſer Herr, bei dem er ſehr gut angeſchrieben ſtand, habe ihm Ausſicht auf einen Förſterdienſt nach beſtandener Militärzeit gemacht, wobei nur das ſchlimm ſei, daß er nichts vom Forſtfach verſtehe, ſo ließ die Marie die beſten Bücher über das Forſtfach kaufen und ſchickte ſie ihm in prächtigen Einbänden zum Namens⸗ tag. Eine größere Freude, ſchrieb er darauf, hätte ihm in dieſer Welt nicht leicht widerfahren können, als ihm das vortreffliche Geſchenk gemacht. Er wolle aber auch einen Gebrauch davon machen, daß die freundherzige Geberin einmal ſelbſt ihre Freude daran erleben ſolle.

Sie ſchrieb jetzt auch nicht mehr allein im Namen der Mutter Babet, ſondern fügte deren Brief allemal eine Nachſchrift für ſich bei, worin ſie den Mundel ihren hochgeſchätzten Freund nannte. Denn auf dem Todten⸗ bette hatte ihre Mutter zu ihr geſagt:Du wirſt nicht verlaſſen ſein, mein Kind, du wirſt immer einen treuen Freund und ſichern Anhalt im Leben haben. Wenn ich nicht mehr bin, kommt der gute Pohl Mundl gewiß wieder in ſeine Heimat. Grüß ihn noch einmal von mir und halte dich ſo, daß du ſeiner Freundſchaft werth bleibſt; es gibt keinen beſſern Mann als er iſt. Vom Grabe der Mutter hinweg war die Marie ins Wällehaus gegangen und hatte an den Mundl geſchrieben, ihm ihren ganzen kindlichen Schmerz mitgetheilt. Und er hatte ihr geantwortet aus der Tiefe ſeines treuen Herzens, in welchem das Bild der Verblichenen noch immer ſo leben⸗ dig war, daß kein anderes davor aufkommen konnte. So hatten beide einen gemeinſamen Schmerz, und daraus quoll ihnen auch der gemeinſame Troſt und das zarteſte Freundſchaftsband umſchlang ihre Herzen.

Aber der Freund verzog die Weisſagung der ſterbenden Mutter wahrzumachen. Seine vierzehnjährige Dienſtzeit war um und er kam nicht in die Heimat, wo ſich ein liebendes Mutterherz in Sehnſucht nach ihm verzehrte.Erſt mochte ich nicht heimkommen, ſchrieb er,weil ich ſie nicht als das Weib eines Andern ſehen konnte; nun iſt mir's wieder, als könnte ich nicht leben, wo ſie geſtorben iſt. Das arme Menſchenherz iſt ein ſeltſames Ding ein trotzig und verzagtes Ding, wie die Schrift ſagt.

Mit der neuen Heirath des Meier Hannes dagegen ging es mit Eil⸗ poſt. Sechs Wochen nach jener erſten Rede davon hatten Mariens Kinder eine Stiefmutter. Und was für eine! Es wird viel Böſes von den Stiefmüttern geſagt und gewiß oft mit Unverſtand und großem Unrecht;

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