22 Die Kriegskaſſe.
Gott wird dem Mundl ein beſſeres Weib geben, wenn es Zeit iſt, und Euch, Mutter Babet, wird er auch ein Helfer ſein. Seht, da hat mir ein guter Freund, dem Eure Verlaſſenheit nahe geht, ein kleines Geſchenk für Euch gegeben. Er will nicht genannt ſein; braucht es geſund!“—„Wer ſich auf Gott verläßt, iſt nicht verlaſſen!“ verſetzte ſie;„glaubt mir, die größte Noth hab' ich hinter mir. Das war die Seelennoth, darin ich ſchwebte an dem Tage, wo wir mit einander beim Pater waren. Das Geld nehm ich, es ſoll meinem armen Mundl zu gut kommen; bringt dem un⸗ bekannten Freund meinen Dank!“
„Ich will nichts erzählen von der großen Hochzeit im Rothengut. Es gab Leute genug, die ſich ihr Beſtes dabei dachten, die die ſchöne in Gold und Atlas ſchimmernde Braut innerlich verachteten und den Meier Hannes verklagten— aber der große Haufe tanzt allwärts um das goldene Kalb. Acht Tage dauerte die Hochzeitsluſt, dann ward es ſtill im Rothen⸗ gut, und Frau Marie mußte Wirthin ſein.
„Der Meier Hannes hatte wahr geſprochen— ihm war die Marie ein braves Weib. Wenn er es an nichts fehlen ließ, daß ſie ſich putzen und in Fülle leben konnte, ſo wußte er ihr doch auch von früh bis ſpät vollauf zu thun zu geben. Sie hatte Freude am Handel und fand ſich leicht hinein. In kurzer Zeit konnte der Meier Hannes ſagen: hätte ich mir die reiche, ſchwerfällige Stein Veronel genommen, ſo käme ich doch nicht ſo weit, wie ich mit meiner muntern Marie komme. Aber man muß der Mann für ſie ſein!——
„Auch ſonſt ging's erwünſcht in dem neuen Eheſtand. Bevor das Jahr um war, taufte der Pater ſchon ein Zwillingspaar im Rothengut. Faſt zur ſelben Zeit ward der glückliche Vater Richter im Ort. Das dar⸗ auffolgende Jahr brachte ihm der Storch wieder ein Mägdlein und der Poſtbote eine Terne vom Lotto. Im dritten Jahr gab's wieder einen Zu⸗ wachs zur Meier'ſchen Familie, aber auch einen hochanſehnlichen zu ihrem Gut: der Hannes erſtand den Eiſenhammer im Franzensthal mit 800 Strich Feld- und Waldgrund. Nun eröffnete er auch gleich die Schnallen⸗ fabrik und zog in kurzer Friſt alle Schnallenmacher des Ortes an ſich. Kurz, alles ging ihm nach Wunſch, er wuchs zuſehens, er legte einen Geldwechſel an, kaufte von der Nachbarſchaft für 200,000 Gulden Holz auf dem Stock, in fünf Jahren zu ſchlagen und zu bezahlen, und gewann durch den Verkauf an die ſächſiſche Flöße hundert vom hundert. Frau Marie


