Jahrgang 
2 (1857)
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Von Elfried von Taura. 23

ſorgte für eine gute Schüſſel und volle Wiege und blühte dabei immer wie eine Pfingſtroſe, zum ungeheuern Aerger der Stein Veronel, die es nicht vergeſſen konnte, daß ihr die Marie den fetten Freier weggeſchnappt hatte.

Ueber all den Segen im Rothengut hätte man nun ſeine Freud' haben können, wäre davon ein chriſtlicher Gebrauch gemacht worden. Aber in den Händen des Meier Hannes ward er zum Fluch für ſeine Mitmen⸗ ſchen. Die armen Arbeiter zog er erſt durch guten Lohn an ſich; er gab ihnen Vorſchüſſe an Geld und Waaren, er half ihnen, wo er konnte; aber hatte er ſie mit einer guten Summe im Buch, dann ging der Druck los. Er zog hohe Zinſen ab, zahlte mit theuern Waaren, ſtatt mit Geld, und am Ende ſanken die Leute mit aller blutſauren Arbeit nur immer tiefer in ſeine Schuld, bis er zuletzt Herr ihres ganzen Eigenthums war und es nur von ſeiner Gnade abhing, ob ſie nackt von Haus und Hof gehen mußten oder nicht. Es iſt wahr, er trieb es ſelten bis zum Aeußerſten, nämlich zur Erekution; aber das war nicht ſein, ſondern ſeines Weibes Verdienſt. Denn das muß man der Frau Marie zur Ehre nachſagen, daß ſie der Hab⸗ gier ihres Mannes nicht in alle Wege folgte, oft auch Wunden heilte, die jene ſchlug. Oefters begegnete der Fluch über die Härte des Mannes dem Segen über die Milde der Frau auf einer Schwelle.

Wodurch ſie aber die Schuld ihrer Jugend am meiſten auslöſchte im Gedächtniß der Verſtändigen, das war ihre Treue gegen Mundls Mut⸗ ter, ſeit ſte ſelbſt Mutter war. Sie fühlte, was einer Mutter ihre Kinder ſind, und wußte nun, welches Weh der armen Babet in ihrem Sohne zu⸗ gefügt worden. Im zweiten Jahre ihrer Ehe wurde die Wittwe krank; da hielt ſie ihr eine Wärterin, ſchickte ihr den beſten Arzt, kochte für ſie und beſuchte ſie jeden Tag, kurz ſie war ein rettender Engel für die Verlaſſene. Babet genas wieder und wußte nicht, wie ſie ihrer Wohlthäterin danken ſollte.Ihr ſeid mir keinen Dank ſchuldig, ſagte Marie,denn ich tilge nur einen kleinen Theil meiner großen Schuld an Euch. Aber wenn Ihr mir eine recht große Liebe erzeigen wollt, ſo vermiethet Euer Haus und zieht zu mir als Hüterin meiner Kinder. Aber das lehnte Babet ab; es war ihr unmöglich, mit dem Mann unter einem Dache zu wohnen und an einem Tiſch zu eſſen, den ſie einmal für den Mörder ihres Gatten gehalten.

Dagegen ſah ſie es gern, wenn Frau Marie ihre älteſten Mädchen, die Zwillinge, oft zu ihr brachte und ſte zu halben Tagen bei ihr ließ. Die Kinder gewöhnten ſich auch bald ſo an die ſanfte Frau, daß ſie im kleinen