Jahrgang 
2 (1857)
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Von Elfried von Taura. 21

Gott will es Gott weiß am beſten, was uns gut iſt, ſagte ſie,und er wird eine arme alte Wittwe nicht verlaſſen. Der Mundl war ſchon nach Thereſienſtadt abgeführt.

3.

So war der Meier Hannes den Nebenbuhler auf einmal los. Vier Wochen darauf war die Hochzeit. Am Tage vor dem Polterabend übergab mir der glückliche Bräutigam hundert Gulden zur Unterſtützung der armen Wittwe, der er ihre Stütze geraubt. Denn daß er mit ſeinem Geld hinter dem ſtak, was dem Mundl geſchehen, konnte mir kaum zweifelhaft ſein. Ich hätte ihm gern meine Meinung geſagt, aber auf bloßen Verdacht hin wäre das nicht klug geweſen. So nahm ich das Geld und bat ihn, er ſolle ja ferner chriſtlich an der ſchwer geſchlagenen Frau handeln.Sagt nur nicht, von wem es kommt, meinte er,und es ſoll nicht bei dieſem bleiben; Noth ſoll ſie nicht leiden, ſo lang' ich lebe.

Zehn Gulden wollt' ich der Frau gleich geben. Ich machte mich da⸗ mit auf den Weg. Unter der Thür vom Wällehaus ſtieß ich auf die Jungfer Braut. Sie ging in Sammt und Seide, ſah aber bleich und verweint aus. Ich konnte ihr kaum einen Gruß bieten, ſo verächtlich war ſie mir.Was wollte die Dirne bei Euch? fragte ich die Babet.

Ihr könnt's Euch wohl denken, ſagte ſte;das Gewiſſen trieb ſie her. Sie ſagte, ſie könnte nicht zum Altar gehen, wenn ich ihr nicht ver⸗ ziehen und ſie nicht wüßte, daß auch der Mundl ihr vergeben. Nun, ich vergab ihr gern und zeigte ihr den Brief, den ich geſtern erhalten, worin er ihr Glück und Segen wünſcht. Da brach ſie in helle Thränen aus und konnte ſich lange nicht von dem Brief trennen.O, er iſt ſo gut, ſo ſeelen⸗ gut! rief ſte aus,warum fiel ſeine Liebe auf keine Beſſere! Und von neuem las ſie ſeinen Brief. Dann ſagte ſte:Wäre es nicht zu ſpät, ſo ſagte ich dem Meier Hannes heut noch auf und bliebe dem Mundl treu, bis er wieder loskommt ich hab' ihn doch über alles lieb gehabt! Ich redete ihr zu, ſie ſollte den Mundl nun vergeſſen und ihrem Bräutigam eine rechtſchaffene Frau werden. Gewiß ſei es ſo am allerbeſten, wie es eben gekommen. Dann hing ſie ſich weinend an meinen Hals und küßte mich und bat, daß ich ihr immer eine gute Freundin bliebe. Im Grunde iſt ſie doch ein gutherziges Ding.

Aber ohne Charakter! bemerkte ich,es iſt nichts an ihr verloren.