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Von Elfried von Taura. 17
führte ich denn mein Heerdchen ohne den Mundl ins Oberamt, von wo aus die Reiſe mit der geſammten Mannſchaft nach Leitmeritz gehen ſollte.
„Wie wir nun auf dem Amtshof ſtanden, kommt ein Bauerwagen daher geraſſelt, oben auf ſtand der Heger mit ſeiner Flinte, und unten auf dem Brett ſaß der Mundl an Händen und Füßen gebunden, trotzig vor ſich hin ſtarrend. Mir ward nicht wohl, wie ich das ſah. Hatte der Unglücks⸗ menſch etwas wider den Meier Hannes oder gar gegen die Heger Marie unternommen? Oder hatte der Meier Hannes im Amt zu ſchmieren verſucht, daß es ihm den Nebenbuhler vom Hals ſchaffte, indem es ihn mit Gewalt zur Aſſentirung ſchleppte? Da hätte ich auch noch ein Wörtlein mitzureden gehabt.„Hollah!“ rief ich dem Heger zu,„was iſt's mit dem Pohl? Ihr bringt ihn doch nicht etwa mit Gewalt zur Aſſentirung?“
„Was geht mich die Aſſentirung an?“ verſetzte der Heger kurz;„ich hab's bloß mit Waldfrevlern zu thun. Als ſolchen hab ich den Burſchen da ertappt und feſtgenommen.“—„Was hat er denn gethan?“ fragte ich. —„Das werdet Ihr gleich hören, wenn Ihr mit aufs Oberamt kommt,“ antwortete er.
„Ich hieß meine Leute warten und folgte dem Wagen. Ich will's kurz melden, was mir vor Amt kund und gleich darauf von Mundels Mutter näher erläutert ward. Der arme Burſch hatte vergebens mit ſeinem Mäd⸗ chen zuſammenzukommen geſucht. Die Hegersleut' hatten ihm den Einlaß verweigert und die Marie eingeſperrt. Darüber war er in Verzweiflung gerathen, hatte weder gegeſſen, noch getrunken, war unruhig umherge⸗ ſchlichen und des Nachts in kein Bett gekommen. Umſonſt hatte die Mutter ihm zugeredet, endlich war ſie ſelbſt ins Hegerhaus gegangen, um mit der Hegerin zu ſprechen. Die war kurz mit der Erklärung dageweſen:„Schade ums Wort, Nachbarin, meine Marie wird Rothengutswirthin, das Wälle⸗ haus wird eine andere Wirthin finden!“—„Kann ich nicht mit der Marie ein Wort reden?“ hatte die Babet gefragt.—„Wozu?“ war die Antwort geweſen;„das macht dem Madl nur den Kopf wirr, ſie will das vierte Gebot in Ehren halten und darin ſoll man ſie nicht irr machen!“ Dabei war es geblieben.„Schlag dir das Madl aus dem Sinn, mein Mundl!“ hatte die Babet bei der Heimkunft zu ihrem Sohne geſagt;„es muß doch ihr Wille auch ſein, daß es mit dir aus ſei.“ Da hatte der Mundl hitzig des Mädchens Partie genommen.„Wenn es ihr Wille wäre, würden ſie ſie nicht ſo abſperren,“ hatte er gemeint und war dabei geblieben, daß ſie
Hausblätter. 1857. II. Bd. 2


