Jahrgang 
2 (1857)
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16 Die Kriegskaſſe.

ſcharf an.Herr Hannes, bedenkt, daß ein verzweifelter Menſch zu vielem fähig iſt, was dem Ruhigen und Vernünftigen nicht in den Sinn kommt!

Der Hannes wurde roth und ein Blitz, der mich erſchreckte, flammte aus ſeinen pechſchwarzen Augen.Joſeph, ſagte er,ſchaut mich an. Bin ich der Mann, der ſich vor der Wuth eines Knaben zu fürchten hat? Mit dieſer Hand würde ich ihm die Knochen zerquetſchen, wenn er mich anrührte.Aber habt Ihr nicht ſonſt etwas von ihm zu befürchten? fragte ich ſchüchtern. Er runzelte die Stirn mir ward unheimlich zu Muthe.

Joſeph! ſprach er, mich an der Schulter packend,ich bin nicht die Memme, die man mit altem Weibergewäſch ins Bockshorn jagt.Um Vergebung! ſagte ich,ich mein' es ja nicht bös. Ich.Schon gut! unterbrach er mich.Warnt den Burſchen, daß er keinen dummen Streich macht, warnt ihn nachdrücklich! Denn ich ſchone nicht, wenn es gilt, meine Ehre zu retten. Dann nahm er mich bei der Hand und führte mich in ſein Oberzimmer, wo er mir vom beſten auftiſchte, was er in Küche und Keller hatte. Aber ich konnte wenig genießen, ſo beklommen war mir. Was wird aus dem Handel werden! dachte ich einmal über das andere; aber ich wußte nicht, ſollte mir mehr für den Mundl bange ſein oder für den Meier Hannes.

Ich ließ noch den nämlichen Tag die Babet zu mir holen, erzählte ihr alles, was der Meier Hannes mit mir geredet, und drang in ſie, alles aufzubieten, um den Mundl von jeder Unbeſonnenheit zurückzuhalten.

Vierzehn Tage lang konnte ich mich um den Handel nicht weiter be⸗ kümmern. Denn ich hatte vollauf mit der Aſſentirung unſerer militär⸗ pflichtigen Mannſchaft zu thun. Das iſt ein mißliches Geſchäft für einen Gemeindebeamten. Faſt kein junger Burſch hier zu Gebirg will gern Sol⸗ dat werden. Da ſtiehlt ſich der Eine fort, der Andere gibt einen Leibes⸗ ſchaden vor oder macht ſich einen, ein Dritter will ſpendiren, kurz, man hat ſeine liebe Noth, die nöthige Mannſchaft zu ſtellen. Und dazumal war die Sache noch nicht ſo feſt geregelt, wie jetzt.

Zu den Pflichtigen gehörte eigentlich auch der Mundl, aber als ein⸗ ziger Sohn und Ernährer einer Wittwe wurde er als frei betrachtet. Dem Heger und dem Meier Hannes wäre es freilich ſehr bequem geweſen, wenn er mit nach Leitmeritz gemußt und gleich als Soldat eingeſtellt worden wäre; aber davon konnte unter bewandten Umſtänden nicht die Rede ſein. So