Von Elfried von Taura. 15
gelaufen. Jetzt brauch' ich eins und darum will ich mir eins nehmen. Ich könnte eine Reiche freien, aber das Geld herzt man nicht; ich will ein ſchönes, luſtiges Weib, an dem ich meine Freud haben kann. Und ein ſolches i*ſt die Marie; drum will ich ſie in mein Haus führen, und wenn ich etwas will, ſo ſetz ich's durch— Ihr kennt mich, Joſeph!“
„Ob ich ihn kannte— ich wußte es ſelbſt nicht— ich mußte an etwas Entſetzliches denken. Aber als ich ihm forſchend ins Geſicht ſehen wollte, war's, als wollt' er mich ſelbſt mit ſeinem Blick durchbohren. Ich mußte die Augen niederſchlagen, indem ich ſagte:„ich weiß, Ihr ſeid ein gewiegter Mann.“—„Nun, ich ſage Euch,“ fiel er mir ins Wort,„die „Marie wird mein Weib, der Burſche da oben mag ſich geberden wie er will.“—„Aber,“ ſprach ich,„es wäre doch unrecht, das Mädchen zu zwingen!“—
„Bah!“ verſetzte er,„zwingen! Wer kann ein Weibsbild zwingen? Wenn es mir gelingt, der Marie begreiflich zu machen, daß ich der rechte Mann für ſie bin, ſo liegt darin kein Zwang. Und es ſoll mir gelingen! Ich habe mit dem Mädchen heut zum erſtenmal mehr als zwei Worte ge⸗ redet und kenne ſie bereits beſſer als der junge Pohl. Dies Weib iſt nicht aus dem Holz, woraus man Liebesheldinnen macht, es iſt ihre Natur nicht, aus Liebe unglücklich zu werden. Sie iſt ein eitles, feuriges, lebensluſtiges⸗ Ding, mir gerade recht, und ich bin der Mann für ſie. Sprecht mit dem Pohl und macht's ihm klar, daß er mit jeder Andern beſſer führe als mit der Heger Marie. Er könnte ſie weder befriedigen, noch bändigen. Mir wird ſie ein braves Weib ſein. Wollt Ihr?“—„Ich will's verſuchen,“ antwortete ich. Darauf ſchlug er ein und ging ſeine Wege.
„Ich hielt mein Wort. Aber es war, wie ich mir gedacht. So be⸗ hutſam ich zu Werk ging, ſo wild fuhr der Mundl bei der erſten Andeu⸗ tung des Handels auf. Er nannte mich gar einen falſchen Kuppler und ſchwor, daß er eher vor unſerm Herrgott als von ſeinem Madl laſſen werde. Er ſähe ja nun klar, daß ſie auch nichts von dem Schacher wiſſen wolle. Kurz, ich mußte einpacken. Der arme Mundl baute auf einmal Häuſer auf ſein Mädchen.
„Als ich dem Meier Hannes Bericht erſtattete, ſagte er kalt:„Der tolle Burſch! So behalt' ich mein Geld und er bekommt das Mädchen doch nicht.’“ Mir war aber ängſtlich zu Muthe.—„Wer weiß nur, was der arme Menſch in der Verzweiflung thut!“ bemerkte ich und ſah ihn


