Von Elfried von Taura. 13
haben? Nehmen wir endlich den Fall an, der gräßliche Verdacht wäre gegründet und der Angeſchuldigte würde überwieſen— was wäre damit gewonnen? Würde der Todte wieder lebendig durch das Blut des Mör⸗ ders? Erhieltet Ihr Euern Gatten, erhielte der Sohn den Vater wieder, wenn Ihr einen Mann aus der Welt ſchafftet, den Gott durch ſeine Güte hier vielleicht zur Buße leiten wollte? Denn Gottes Wege ſind nicht Men⸗ ſchenwege. Oder meint Ihr, den Gatten rächen zu müſſen? Nein, das meint Ihr nicht, denn Ihr ſeid eine chriſtliche Frau und kennt das Wort: „Mein iſt die Rache, ſpricht der Herr, ich will vergelten.“ Oder glaubt Ihr, das Gebäude des Rechtes und der Ordnung ginge aus den Fugen, wenn ein Uebelthäter dem Arm der irdiſchen Gerechtigkeit entginge? Liebe Frau, es wäre längſt gar aus mit dieſem Bau, wenn ihn dieſer gebrechliche und wandelbare Arm halten müßte. Der den unendlichen Weltenbau hält, bedarf unſeres Armes nicht, um das zu ſtützen, was er ſeinem Weſen nach erhalten muß.“
„So ſprach der fromme Pfarrherr und ſprach es nicht in den Wind; denn wie er nun ſchwieg, ergriff die Frau ſeine Hand, küßte ſie und weinte darauf und ſagte:„Haben Sie Dank, geiſtlicher Herr, und verzeihen Sie mir, ich war auf falſchem Wege; ich will heimgehen und meine Sache Gott anheimſtellen.“—„Gott ſegne dich, meine Tochter!“ verſetzte der Pater, ſchüttelte ihr freundlich die Hand und verſprach ſie bald zu beſuchen. Dann ermahnte er uns beide zu ſtrengem Schweigen über die Sache.
„Ich begleitete nun die Babet heim, ich wollte ihr helfen den Mundl auf den rechten Weg bringen. Der arme Burſch ſah ganz verſtört aus. Er war im Hegerhaus geweſen, um mit der Marie zu reden, aber von ihren Eltern ſchnöd abgewieſen worden. Ich erzählte ihm alles, was der Pater geſagt hatte und gab auch meinen Senf dazu. Da wurde er etwas gefaßter und ſchöpfte Hoffnung. Aber wie wir noch ſo beiſammen ſaßen, kam der Meier Hannes über die Felder herauf, im vollen Sonntagsſtaat, mit aufgeſteiftem Hemdkragen, ein Rohr mit ſilbernem Knopf ſchwingend. Er ſah ſtattlich aus und nie hatte ich ſein Geſicht ſo hell geſehen. Er ging ſtracks auf das Hegerhaus zu. Der Mundl wurde todtenblaß und ſein ſchönes Geſicht verzerrte ſich; er knirſchte mit den Zähnen und murmelte unverſtändliche Worte. Die arme Babet ſiel ihm um den Hals und redete ihm ſchluchzend zum Guten. Auch ich gab mein Wörtlein drein.„Was iſt das für eine tolle Lieb',“ ſagte ich,„die kein Vertrauen hat! Wenn du


