12 Die Kriegskaſſe.
ſagen, wenn er gelten ſoll. Iſt die Marie wirklich die Perſon, auf der Eures Sohnes Lebensglück beruht, ſo wird ſte Nein ſagen, ſo wird ſie lieber alles über ſich ergehen laſſen, als ihre Liebe verläugnen. Und ſteht dieſe Liebe feſt im Feuer ſolcher Prüfung, dann wird Gott ſie mit Sieg und Segen krönen. Hat das Mädchen aber nicht den Muth, für ihre Liebe zu leiden und zu kämpfen, ſo iſt an ihr nichts verloren; im Gegentheil, Ihr möget Gott danken, daß er Euern Sohn vor großem Unheil bewahrte. Glaubt mir, der rechten treuen Liebe hilft Gott immer zum Sieg. Ihr habt auch geliebt; ſagt ſelbſt, hätte eine irdiſche Macht Euch von Euerm Anton losreißen können? Ich weiß, Ihr wäret lieber mit ihm ans Ende der Welt oder in den Tod gegangen, als daß Ihr Euch hättet einen Andern auf⸗ dringen laſſen. Seht zu, ob die Heger Marie auch ſo brav iſt!“
„Der Pater hatte das Rechte getroffen. Frau Babet war ruhiger geworden; ſie weinte ſtill in ſich hinein und meinte dann:„Ja wenn die Marie ein rechtes Weib iſt, wird ſte dem Mundl Treue halten; ich will beten, daß Gott ihr Herz lenke. Aber darum kann ich die Sach' mit dem Meier Hannes doch nicht ruhen laſſen; ich muß wiſſen, was aus meinem Anton geworden iſt. Gott weiß, was ich gelitten hab' um ihn die fünf Jahre daher.“
„Gute Frau!“ ſprach der Pater,„laßt auch hier den lieben Gott
walten. Wenn es zu Euerm Frieden nothwendig wäre, daß Ihr das Schickſal Eures Gatten erführet, ſo würde er es Euch enthüllen. Ich habe es an nichts fehlen laſſen, was zu einer ſolchen Enthüllung führen konnte. Meine Bemühungen ſind fruchtlos geweſen. Es iſt wahr, die Reden des unglücklichen Flurſchützen leiten auf eine neue Spur. Aber Frau, mir ſcheint es nicht gottgefällig, dieſe Spur zu verfolgen. Geſetzt, das Gericht ginge auf Eure Anzeige ein, es zöge den Meier in Unterſuchung, aber er wäre unſchuldig und es würde dies vom Gericht erkannt; würde nicht immerhin ein Makel an ſeinem guten Namen haften bleiben? Würde nicht durch ſein ganzes Leben ein giftiger Verdacht ihn verfolgen, und würde das den ohnehin wenig zu ſanften Empfindungen geneigten Mann nicht vollends verhärten und zum Menſchenfeind machen, mithin auch zum Feinde Gottes? Möchtet Ihr das auf Euerm Gewiſſen haben? Aber es iſt auch möglich, daß der Angeklagte, obſchon unſchuldig, durch ein ſeltſames Zuſammen⸗ treffen von Umſtänden von der ſo leicht irrenden menſchlichen Gerechtigkeit ſchuldig erfunden und verurtheilt wird— möchtet Ihr das auf dem Gewiſſen


