Jahrgang 
2 (1857)
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Von Elfried von Taura. 7

daß man ein Herz hat. So war's auch bei dieſen zwei Liebesleuten. Es ward Nacht und ſie achteten es nicht, der Mond ging über dem Schneeberg auf und ſie ſahen ihn nicht, der Wind fuhr ſcharf durch die Tannen, ſie fühlten es nicht, es kamen zuletzt ſchwere, ſtolpernde Tritte auf dem nahen Wege daher und ſie hörten ſie nicht. Auf einmal aber ſchreckte ſie ein gel⸗ lendes Gelächter aus ihrem Rauſch. Beide ſchauten auf und ſahen nur wenig Schritte vor ſich eine dunkle Männergeſtalt. Mundl wollte auf⸗ ſpringen, aber Marie hielt ihn zurück und flüſterte:Bleib! er kann uns nicht ſehen es iſt nur der verſoffene Flurſchütz; er wird beim Leihkauf geweſen ſein. So blieb Mundl ruhig.

Luſtig gelebt und ſelig geſtorben, heißt dem Teufel die Rechnung verdorben hahaha! lallte und lachte der Flurſchütz vor ſich hin.Luſtige Welt! Schöne Welt! hahaha! Erſt den Vater um die Kriegskaſſe und um's Leben gebracht und nun den Sohn um's Liebchen hahaha! Luſtige Welt! Schöne Welt! Und weiter taumelte der Trunkenbold.

Was war das? flüſterte Mundlhaſt du gehört, was der Hannaugl ſagte? Marie zitterte wie ein Eſpenblatt, doch ſagte ſie: Ach, auf den Saufaus muß man nicht achten!Aber du zitterſt und mir iſt die ſchreckliche Rede durch Mark und Bein gefahren, mir fiel gleich ein, was er ſchon gegen meine Mutter hat fallen laſſen.

Ach, laß den Trunkenbold! Es iſt doch kein Sinn in ſeinen Reden. Komm, küß mich! Und ſie ſchlang ihren weichen Arm um ſeinen Nacken und hing ſich an ſeinen Mund. Da vergaß er ſchnell allen Graus und ſelig flüſterte er:Nicht wahr, du biſt mein lieb's Bräutle, und wenn auch der reichſte Mann um dich freite, du hielteſt doch feſt an deinem Mundl? Zur Antwort hing ſie ſich aufs neue an ſeinen Mund.

Mittlerweile taumelte der Flurſchütz dem Wällehaus zu. Frau Babet, ſo hieß Mundls Mutter, ſaß noch am Rocken und ſpann. Ihre Gedanken waren bei ihrem Sohn. Das gute Mutterherz nahm es nicht übel, daß er ihr nur einen flüchtigen Gruß gegönnt nach ſo langer Trennung und dann gleich zu ſeinem Mädchen geeilt war, wo er nun ſchon ein paar Stunden weilte.Wenn er nur recht glücklich mit ihr wird! dachte ſie und war nicht eiferſüchtig auf das ſchöne Mädchen, dem ſte den Sohn hingeben mußte. rief gurgelnde Stimme zum Fenſter herein:Guten Abend, Babet!

aut eine luſtige Welt eben wird Eures Sohns Schatzl verhandelt.

Wen er heimkommt, ſagt ihm, er ſoll ſich's geſchwind noch feſt machen