8 Die Kriegskaſſe.
— heut über vier Wochen dürft's zu ſpät ſein— ſchöne Welt, luſtige Welt! Der Mundl ſoll ſich ſein Madl feſtmachen— gute Nacht, Babet!“
Die Frau ließ Hand und Fuß ſtillſtehen— ſie wendete ihr blaſſes Geſicht nach dem Fenſter und ſah den zottigen Kopf des Flurſchützen eben davor verſchwinden.„Hannaugl!“ rief ſte aufſpringend,„Hannaugl!“
Da fiel ein Schuß— ein gräßlicher Schrei gellte durch die Nacht— dann folgte ein dumpfes Wimmern.— Frau Babet ſtand einen Augenblick todtenſtarr; dann eilte ſte hinaus. Gerade vor dem Hauſe war der Fahr⸗ weg nach dem abſchüſſigen Feld an zwei Ellen hoch untermauert. Von dieſer Mauer war der Flurſchütz hinabgeſtürzt und lag röchelnd in ſeinem Blute. Der Schuß hatte auch die Liebenden aufgeſchreckt. Sie kamen faſt zugleich mit Frau Babet an der Unglücksſtelle an. Mit ſtarkem Arm hob Mundl den röchelnden Mann auf und trug ihn ins Haus. Marie ſprang ſchnell ins Hegerhaus nach Tropfen— aber ihre Mühe war umſonſt. Der Schuß der beim Fall losgegangenen Flinte war dem Flurſchützen ins Ge⸗ hirn gegangen— er ſtammelte noch die Worte:„Vater— Kriegskaſſe— Gründelweiher“— und hauchte ſein Leben aus.
2.
„Ich war damals Gerichtsſchöppe“— berichtete unſer Gewährsmann weiter—„und ſo mußte ich mit beim Leihkauf ſein, zumal unſer Richter nicht gut mit der Feder zu Fach kam. Es iſt nie wieder ein Leihkauf bei uns getrunken worden wie dieſer. Der Meier Hannes, der ſonſt ſo beutel⸗ faul war, ließ es bei der Gelegenheit an nichts fehlen. Er war damals ein Mann von 37 Jahren, aber er ſah älter aus, nicht nur wegen ſeiner Größe und Breite, ſondern auch wegen ſeines geſetzten Weſens und der Falte, welche die Gewohnheit des Rechnens und Grübelns über ſeine Stirn gezogen hatte. So kannten wir ihn ſeit Jahren, und es war uns, als hätte er nie anders ausgeſehen, ſelbſt in ſeiner Jugend nicht. Aber eigent⸗ lich hatte er wohl keine Jugend gehabt; ich glaube nicht, daß er je einen Tanzboden in anderer Abſicht beſucht, als um Geld zu verdienen, und ſchwerlich hat er ein Frauenzimmer anders angelächelt, als wenn es ihm etw as abkaufte. Dann konnte er freilich ſehr artig ſein. Nun hatte er eine große Wirthſchaft gekauft und noch nicht einmal eine Wirthin.„Die der freien ſoll, muß im Gold ſitzen bis über die Ohren,“ meinte jede Dirne
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