Jahrgang 
2 (1857)
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6 Die Kriegskaſſe.

wird, wie die Hegerhaus Marie war, nämlich ſo ſchön rundum und ſo munter. Es hat Gott Lob hier zu Gebirg keinen Mangel an feinen Weibs⸗ bildern, und da drüben im Mittelgebirg hat's noch feinere; aber wenn jetzt die Teplitzer Gäſte, die mehr den böhmiſchen Madeln zu Lieb kommen, als Badens halber, da drüben um den Mileſchauer herumſchwärmen, ſo kamen ihrer viele damals nach Grünwald, um ſich von der ſchönen Marie unter den alten Tannen eine Milch einbrocken und dafür manchen guten Zwan⸗ ziger ſitzen zu laſſen. Kein Wunder, wenn auch der Wälle⸗Haus⸗Mundl, der das Hegerhaus ſo nah vor Augen hatte, ſich in ſein Nachbarskind ver⸗ gaffte. Und der blanke Burſch hätte auch wirklich, wie er meinte, den Himmel auf der Welt mit ihr finden mögen, wäre ſte ſo brav geweſen, wie ſte ſchon war. Zwar war ſie ihm von Herzen gut und hatte ſich ihm in ſtiller Liebſchaft verlobt; aber wenn er draußen im Sachſenländel ſeinem Gewerb nachging, verhielt ſie ſich nicht nach ihm, ſondern ließ ſich von den fremden Stutzern, die ins Hegerhaus zur Milch kamen, gar zu gern den Hof machen, wenn ſie ſie im Grunde auch nur zum Beſten hatte. Denn daß ſie ſchön war, brauchten ihr die Gecken nicht erſt zu ſagen, und übrigens war ſie zu geſcheut, um nicht all den feinen Redensarten und Liebesſchwüren, die ihr vorgegirrt wurden, auf den Grund zu ſehen. So hütete ſie ſich wohl vor einer Thorheit, die mit Schimpf und Schande für ſie hätte enden können, und als ihr Mundl zur Kirchweih heimkehrte, meinte ſie, ſie könnte mit gutem Gewiſſen ſich ſein treues Mädchen nennen.

Es war an dem Abend, wo im Wirthshaus unten der Leihkauf über's Rothegut getrunken wurde, als das junge Paar unter den Tannen ſein Wiederſehen feierte. Der Heger war zum Leihkauf geladen und die Mutter Hegerin beſuchte eine alte Freundin im Dorfe; ſo war das junge Volk recht ungeſtört. Mundl war glücklich geweſen, er hatte auf ſächſiſchen Edelhöfen vortreffliche Arbeit gefunden und ein gut Stück Geld mit heimgebracht. Noch eine ſolche Reiſe, und er durfte dreiſt vor den Heger treten und um die Tochter werben. Darum hatte er kaum ſeine gute Mutter begrüßt, ſo hatte ſein hüpfendes Herz ihn hinübergetrieben ins Hegerhaus, denn er hatte wohl geſehen, wie der Heger ins Dorf hinabgegangen war. Und nun ſaß er bei dem Abgott, ſeines Herzens und hielt ihn umſchlu nd flüſternd bauten ſie mit einander eine ganze Stadt von brä ſchlöſſern. Nur wer einmal in rechter Menſchenweis gefreit h, wie es da hergeht; man vergißt Himmel und Erde und alles, icht,