Jahrgang 
2 (1857)
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Von Elfried von Taura. 5

ins franzöſiſche Hauptquartier ihre Nechforſchungen waren alle eitel. Troſtlos kehrte ſie endlich heim ihr Mann war und blieb weg. Hatten ihn die beiden Franzoſen ermordet oder war er mit dieſen in die Hände der Ruſſen gefallen, vielleicht gar als Spion hingerichtet worden? Wer konnte das wiſſen!

Der Verluſt der armen Frau ward im ganzen Dorfe mitgefühlt, denn jedermann ſchätzte den guten Pohl Anton; aber die Zeit war damals ſo unruhig, ſo voll von erſchütternden Geſchichten, daß darüber der gute Anton bald vergeſſen ward. Erſt kam der Napoleon von Pirna daher und wollte die Scharte von Kulm auswetzen; zweimal ſahen wir ſeine Schaaren ſich über das Gebirge hereinwälzen, zweimal erbebten unſere Höhen von Kanonendonner und zweimal mußten die Franzoſen zurückweichen, bren⸗ nende Dörfer und verwüſtete Fluren hinter ſich laſſend. Und dann blieb der Lobau noch manchen Tag da oben es war eine ſchwere, ſchrecken⸗ volle Zeit, wer dachte da lange an den Einzelnen! Als wir endlich durch die Leipziger Schlacht Ruhe gewannen, hatte jeder für ſich zu thun, um die Spuren der Kriegsgreuel von ſeinem Eigenthum zu verwiſchen, ja jeder hatte zu kämpfen, um nur den Hunger von ſeiner Schwelle zu ſcheuchen.

So waren fünf Jahre vergangen; der Wälle⸗Haus⸗Anton war ver⸗ geſſen und der Meier Hannes ein reicher Mann geworden. Für den Anton trieb nun der Mundl das Ziegeldeckergewerb. Das ging jetzt zur geſegneten Friedenszeit dreimal ſo gut als vordem, und der Mundel war ein rechter Ziegeldecker, der einen Meierhof deckte, während ein Anderer mit einem Häuslersdach fertig wurde. Dabei war er ein hochgewachſener, feiner und ſinnreicher Burſch, dem zu lieb manche ſchmucke Dorfdirne eine Stunde weit ins Oſterwaſſer lief, um noch ſchmucker zu werden. Aber wenn ſie alle mit einander noch überdem der heiligen Mutter Gottes von Mariaſchein ein wächſernes Herz ſo groß wie die Mutter Gottes ſelbſt gelobt hätten, es wäre umſonſt geweſen, denn des Mundels Herz hing ſchon feſt an der Tochter des Hegers dort oben im Hegerhaus, das ſo goldgelb aus dem Tannengrün heraus⸗ und hinüberſchaut nach den ſchwarzblauen Kegeln des Mittelgebirgs.

Die Rieſentannen, die das Hegerhaus beſchatten, brauchten ein gut Stück Zeit, ehe ſie wurden, was ſie ſind, vier Menſchengeſchlechter mögen ſie wohl i ülerlebt haben, aber es können wohl ebenſo viel ſolche Tannen⸗ geſchlechter vergehen, ehe wieder ein Weibsbild in ihrem Schatten jung