Jahrgang 
2 (1857)
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4 Die Kriegskaſſe.

erworbenen großen Gut des Meier Hannes nicht mit rechten Dingen zu⸗ ginge. Da wollte der am hellen lichten Tage einen feurigen Drachen haben durch die Luft und in den Schornſtein des Meier Hannes fahren ſehen; jener ziſchelte von einer Kriegskaſſe, die der Hannes am Morgen nach der Kulmer Schlacht im tiefen Gründel zwiſchen der Landesgrenze und Grün⸗ wald gefunden, ſchnell in der dortigen tiefen Grotte verborgen und in der Nacht heimgeholt habe. Ja, der Hann⸗Augl, der ſchnapſende Flurſchütz, ließ oft, wenn er zu voll war, Worte fallen, wie:Wenn ich nur reden dürfte, oder:Wenn die Todten auferſtänden, oder:Wenn nur der Wälle⸗Haus⸗Mundl lieber der Nixe im Tiefen⸗Gründel⸗Weiher zu⸗ gefallen ginge als der Heger Marie, die doch nicht ſein Weib wird, wenn ſte auch noch ſo ſchön mit ihm thut!

Das waren verdächtige Reden, aber niemand gab viel auf das Ge⸗ plauſch eines Trunkenbolds, und die Andern hüteten ſich wohl, von einem ſo reichen und angeſehenen Mann, wie der Meier Hannes nun einmal war, öffentlich übel zu reden. Es gab aber doch eine Perſon, der die Anſpie⸗ lung des Hann⸗Augl vom Wälle⸗Haus⸗Mundl und der Nire im Tiefen⸗ Gründel⸗Weiher nicht zu einem Ohr hinein⸗ und zum andern hinausging. Das war die Mutter vom Mundel, eine ſtille Frau, die ihrem einzigen Sohn in dem Häuslein da oben unter dem kleinen Tannen⸗ und Birken⸗ gehölz, ſo man nur ſchlechtweg's Wälle hieß, Haus hielt. Deren Mann war auch ein Ziegeldecker, ein wohlgeachteter, gottesfürchtiger, nur etwas ſchüchterner Mann aber am Abend der Kulmer Schlacht waren zwei franzöſiſche Reiter vor ſeine Thür geſprengt gekommen, wo er gerade Holz geſpalten, und hatte ihn aufgefordert, ſie über den Wald nach Hellen⸗ dorf zu führen, aber auch ſeinen Schiebbock mitzunehmen, weil er im Wald etwas zu laden fände. Der Mann hatte nicht gewollt, aber ſte hatten ihm die Piſtolen auf die Bruſt geſetzt und er hatte ſich fügen müſſen. Kaum daß ſie ihm vergönnt hatten, ſein Wamms anzuziehen und von Weib und Kind Abſchied zu nehmen. Wohl hatte die Frau nicht ohne Urſache dabei geweint und die Hände gerungen, obgleich der Weg bis Hellendorf nur drei Stunden weit iſt. Es mußte ihr ahnen, daß ſie ihren Anton in dieſer Welt nicht wiederſehen ſollte. Die ganze Nacht und den darauf folgenden Tag erwartete ſie mit ſteigender Angſt ſeine Heimkunft, aber umſonſt; am

dritten machte ſie ſich auf nach Sachſen. Sie achtete nicht die Gefahr,

ſtreifenden Koſacken in die Hände zu fallen; ſie ging von Ort zu Ort bis

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