—
16
4
Von Elfried von Taura. 3
Leute Kind. Sein Vater war ein Ziegeldecker, der von ſeinem Hand⸗ werk acht Kinder zu ernähren hatte. Und die Ziegeldeckerei lag in den langen Kriegsjahren arg darnieder, denn wer da nicht bauen mußte, baute nicht. Da ging es denn gar kümmerlich her bei dem alten Meier Seph, und man kann wohl ſagen,— der Hannes iſt in lauter Elend groß ge⸗ worden. Und doch wuchs er zu einem ſtattlichen Mann heran, der an Leibesgröße und Stärke weit und breit ſeines Gleichen ſuchte. Er ward auch Ziegeldecker, und da ſein Vater bei einem Kirchenbau draußen in Sachſen verunglückte, konnte er gleich in deſſen Stelle als Meiſter einrücken. Man muß es ihm laſſen, er verſtand ſein Fach, und wenn in der erwerbs⸗ armen Zeit ein Ziegeldecker geſucht war, ſo war er's. Aber obgleich er knauſeriger war, als Ziegeldecker zu ſein pflegen, auch neben ſeinem Hand⸗ werk einen kleinen Glashandel trieb und Sonntags im Wirthshaus das Horn blies und nur für drei Leben zu ſorgen hatte, da zwei von ſeinen Schweſtern ſich hinein ins Böhmiſche verheiratheten und zwei Brüder zum Militär kamen, die jüngſten zwei Schweſtern aber ſtarben, ſo konnte er's doch bis zur großen Schlacht da unten nicht weiter bringen, als daß er ſeines Vaters Häuslein ſchuldenfrei machte.
Aber bald nach der Kulmer Schlacht that der Meier Hannes zu jeder⸗ manns Wunder einen Allerhandskram auf, und wie die Alliirten in Paris einzogen, war ſein Kram ein Geſchäft geworden, dem keins an unſerer Grenze die Spitze bot. Damals ging das Paſchen flott, und der Meier Hannes trieb es, als hätte er das Privileg dazu. Nach fünf Jahren konnte er ſchon zu dem großen Rothengutsbauer ſagen:„Was willſt du haben für dein Gut?“ und eines Abends wurde im Grünwalder Wirthshaus der Leihkauf getrunken.
Mußte auch jedermann zugeſtehen, daß der Meier Hannes den Han⸗ del verſtand wie Einer, daß er das Paſchen mit unerhörter Kühnheit und Schlauheit trieb und daß er jeden Kreuzer dreimal umwendete, eh' er ihn ausgab,— ſo wollte es doch niemand in den Kopf, daß er in den fünf Jährlein mit nichts ſo viel verdient hätte, daß er das größte und ſchönſte Bauerngut der ganzen Gegend kaufen und baar bezahlen konnte, ohne ſei⸗ nen Handel zu ſchwächen. Und daß dies nicht der Fall war, ſah man, denn im Rothengut ging das Geſchäft noch einmal ſo flott, als erſt im kleinen Häuslein am Viehweg.
Die Leute im Dorfe munkelten dies und das, daß es mit dem ſchnell
8 1*


