Die Kriegskaſſe.
Wer aber ſo weit unter der Herrſchaft jenes gierigen und haſtigen Geiſtes ſteht, daß ihn von all den Gotteswundern, die ihn hier umgeben, nicht eins zu feſſeln vermag, dem mögen, wenn er ins Thal kommt, die Geiſter der Erſchlagenen von Kulm ein ſchauriges„Dies irae“ ſingen, oder es mag ihm auch nur ein ſchlichter Gebirgsbewohner die Geſchichte vom
Meier Hannes“ erzählen, der in ſeiner Art ein Meiſter im„Erliſten und Erraffen“ war, wie jener Eroberer, der hier unter Kanonendonner das Wort des Herrn erfuhr: Bis hierher und nicht weiter!
So hieß es eines Tages auch bei dem Meier Hannes. Dieſer Name erregt vielleicht der und jener zarten Leſerin ein leiſes Grauen, weil er ſie an einen Hannes gemahnt, der zu unſerer Großmütter Zeiten am theuern Rheinſtrom das Gewerb eines Eroberers im Kleinen trieb und dafür im ſchönen Mainz vom Leben zum Tode gebracht ward, weil er das Unglück hatte, nicht wie ſeine großmächtigen Kollegen über dem Geſetz zu ſtehen. Zur Beſchwichtigung dieſes voreiligen Grauens laſſen wir die holde Erregte einen Blick auf den Grünwalder Friedhof thun; da ſteht nur zehn Schritte vom großen Kirchenthor ein prächtiger Grabſtein von Bodenbacher Sand⸗ ſtein, der bezeugt mit großer goldener Frakturſchrift, daß der Herr Guts⸗ beſitzer, Kauf⸗ und Handelsherr, wie auch Ortsrichter, Johannes Nepo⸗ muk Meier, ein Ehrenmann geweſen, der vor wenig Jahren nach Empfang der heiligen Sterbeſakramente chriſtlich verſchied, auch durch reichliche Ver⸗ mächtniſſe an Kirche, Schule und milde Stiftungen ſeinem Namen ein löb⸗ liches Gedächtniß ſtiftete. Nicht wahr, das bannt alles Grauen, und gern falten ſich die Hände, dem Schlußwort der goldenen Schrift zu entſprechen: „Bete, frommer Wanderer, für meine arme Seele!“ Ja bete, frommes Frauenherz, bete immerhin recht innig zu der ewigen Gnade, denn trotz der gleißenden Grabſchrift braucht's der„Meier Hannes“ vielleicht ſo nöthig, wie jener Mainzer Unſelige mit dem gebrandmarkten Namen.*
Der Meier Hannes— ſo erzählte uns ein ehrlicher Schnallenmacher aus Grünwald— war der reichſte Mann nicht nur in Grünwald, ſondern im ganzen Gebirg von den Lugſteinen bis zum hohen Schneeberg. Er hätte die Herrſchaft Teplitz kaufen können, wenn ſie dem Beſttzer feil geweſen wäre. Große Summen von ihm lagen in den Banken von Trieſt und Hamburg, oder ſtanden auf den benachbarten Gütern, und von den kleinen Leuten im Ort und in der Nachbarſchaft gab es wenige, die ihm nicht mit ihrem Hab und Gut verpfändet waren. Und doch war er nur blutarmer
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