Hie Kriegskaſſe.
Eine Geſchichte aus dem böhmiſchen Erzgebirge. Von Elfried von Taura.
„Ich ſah einen Gottloſen, der war trotzig und breitete ſich aus und grünte wie ein Lorbeerbaum. Da man vorüberging, ſiehe, da war er dahin.“
Aus dem Pſalmbuch. 1
Aus dem Thale von Kulm, dem paradieſiſchen Schauplatz des großen Vorſpiels zur Leipziger Völkerſchlacht, erhebt ſich das Erzgebirg anfangs in ſanften Vorhügeln, ſteigt aber bald ſteil zu jenem mächtigen Stock empor, von deſſen weitem, aber zerklüfteten Plateau die kühnen Lugſteine, der luf⸗ tige Spitzberg und der gewaltige Schneeberg zur Nachbarſchaft des Him⸗ mels ſtreben.
Glücklich der Wanderer, der dieſe Höhen betritt und ſo weit unbe⸗ herrſcht iſt vom Geiſte des„Erliſtens und Erraffens,“ daß er nicht mit geſchäftiger Haſt darüber hinweg getrieben wird. Denn es iſt hier eine von den Stätten, die auch dem fremde⸗ und jammerſüchtigſten Deutſchen die Luſt am Vaterlande, die Luſt am Daſein und die Luſt an dem, der ihn in dieſes Daſein rief, friſch erwecken können. Glücklich der Wanderer, der auf einer der ſonnigen Kulturſtrecken, die mit den dunkeln Fichtenwäldern wechſeln, auch nur auf eine Stunde, ſei es im purpurnen Abendfrieden oder in der goldenen Tagesblüthe, ſeinen Stab in die Erde ſtößt und Herz und Sinn ganz dem hingibt, der mit ſeiner reichen Schöpfung in alle Ewig⸗ keit nichts anderes will als ſeine Menſchen glücklich machen. Er wird das inne werden, worauf auch Neigung und Stimmung ſein Augenmerk zu⸗ meiſt lenken mögen; er wird Befriedigung die Fülle haben, und wenn er weiter zieht, dem Herzen Gottes näher ſein.
Hausblätter. 1857. II. Bd.„ 1


